Allgemeines über maligne hämatologische Erkrankungen

Unter maligne hämatologische Erkrankungen fallen jene Krebserkrankungen, die das blutbildende System betreffen. Allen voran sind dies Leukämien, auch Blutkrebs genannt, und Lymphome. Die Leukämie ist eine systemische Erkrankung, bei der sich blutbildende Zellen bösartig verändert haben und sich im Knochenmark und peripherem Blut anhäufen. Dadurch werden andere Zellen (z.B. Erythrozyten und Thrombozyten) verdrängt. Lymphome hingegen sind bösartige Neubildungen (solide Tumore), die von Zellen des körpereigenen Immunsystems ausgehen. Viele dieser malignen hämatologischen Erkrankungen sind mittlerweile sehr gut behandelbar und nicht selten auch heilbar.

Epidemiologie der malignen hämatologischen Erkrankungen

In Österreich wurden 2016 3.065 Krebserkrankungen des blutbildenden Systems diagnostiziert. Damit stellen maligne hämatologische Erkrankungen sowohl bei Männern, als auch bei Frauen mit einem Anteil von etwa 7% die fünfthäufigsten Krebsneuerkrankungen dar. Die häufigste Krebserkrankung des blutbildenden Systems war mit ca. 3% der Krebsneuerkrankungen das Non-Hodgkin-Lymphom, gefolgt von Leukämien. Erkrankungen des blutbildenden Systems kommen generell in jedem Alter vor, manche jedoch gehäuft im jüngeren Alter, andere im höheren Alter.

Bei Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 19 Jahren stellen Leukämien und Lymphome 41% aller Krebsneuerkrankungen dar. Besonders in diesem Alter sind sie allerdings mit sehr guten Überlebensraten assoziiert. Die 5-Jahres-Überlebensrate von Leukämien liegt in der Altersgruppe 0-14 Jahre bei ~90%, jene von Lymphomen sogar bei ~95%.

Entstehung und Symptomatik von malignen hämatologischen Erkrankungen

Leukämien werden in zwei Hauptgruppen unterteilt. Je nachdem, welche der blutbildenden Zellen entartet sind, unterscheidet man die myeloische und lymphatische Leukämie. Durch die Proliferation dieser malignen Zellen werden die normalen blutbildenden Zellen des Knochenmarks verdrängt. Leukämien können akut oder chronisch verlaufen und dementsprechend rasch oder langsamer fortschreiten. Die genauen Ursachen für die Entstehung dieser Erkrankungen sind weitgehend unbekannt, jedoch spielen Mutationen und komplexe Chromosomenanomalien eine wichtige Rolle dabei. Es sind einige Risikofaktoren bekannt, die zu der Entstehung von Leukämien beitragen können, wie etwa ionisierende Strahlung, die Exposition gegenüber chemischen Noxen (z.B. Benzol) und auch eine vorausgegangene Zytostatikatherapie aufgrund anderer Krebserkrankungen. Erblich bedingte Leukämien sind jedoch äußerst selten. Die Symptome von Leukämien sind vor allem auf die Verdrängung der normalen Knochenmarkszellen durch die entarteten Leukämiezellen zurückzuführen. Häufig kommt es zu Anzeichen einer Anämie, zu Blutungen (v.a. Zahnfleischbluten) oder Hämatomen, einer erhöhten Infektanfälligkeit und zu allgemeinen Symptomen wie Fieber, Appetitlosigkeit und Erschöpfung. Weiters kann es auch zu einer Vergrößerung der Lymphknoten, Tonsillen und der Milz kommen.

Lymphome sind bösartige Neubildungen, die von Geweben des Immunsystems (retikuloendotheliales System) hervorgehen. Man unterscheidet zwei Hauptarten: Hodgkin-Lymphome (Morbus Hodgkin) und Non-Hodgkin-Lymphome (NHL). Die meisten Lymphome, vor allem Hodgkin-Lymphome, gehen von Lymphknoten aus, andere zum Beispiel von Tonsillen, der Milz oder auch der Magen-Darm-Schleimhaut. Weshalb diese Tumore entstehen bleibt meist unklar. Personen mit einer Immunschwäche, wie etwa an HIV Erkrankte oder Patienten nach Organtransplantationen, weisen ein höheres Risiko auf, Lymphome zu entwickeln. Auch genetisch bedingte Prädispositionen zu Immundefekten bergen ein leicht erhöhtes Risiko. Manche Lymphome sind außerdem mit einer Infektion mit dem Eppstein-Barr-Virus assoziiert. Hodgkin-Lymphome zeigen sich meist zuerst als vergrößerte Lymphknoten, die gummiartig und beweglich sind. Außerdem kann es zu allgemeinen Symptomen wie Fieber, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit kommen. Non-Hodgkin-Lymphome können sich ebenfalls zuerst an Lymphknoten manifestieren, treten allerdings auch häufig an anderen Stellen des Körpers auf, wie z.B. im Magen, Darm, in der Lunge, der Haut und im Knochen. Erste Anzeichen können neben vergrößerten Lymphknoten auch eine Vergrößerung der Milz oder der Tonsillen sein.

Diagnostik von malignen hämatologischen Erkrankungen

Bei Verdacht auf eine Leukämie sind eine sorgfältige Blutuntersuchung und ebenso eine Untersuchung des Knochenmarks am wichtigsten für die Diagnosestellung. Blut und Knochenmark werden sowohl zytogenetisch und molekulargenetisch auf bestimmte Chromosomenanomalien und Leukämiezellen, als auch auf weitere Anzeichen einer Leukämie untersucht, wie etwa eine verminderte Anzahl von Erythrozyten und eine abnorme Veränderung der Leukozyten- und Thrombozytenzahlen.

Bei Lymphomen steht zu allererst eine gründliche Untersuchung des Patienten im Vordergrund. Es werden alle Lymphknotenregionen, sowie auch Milz und andere Organe auf Auffälligkeiten untersucht. Um die Diagnose zu bestätigen, ist die chirurgische Entnahme eines auffälligen Lymphknotens oder die Biopsie eines Knotens in einem anderen Gewebe und dessen Untersuchung unter dem Mikroskop notwendig. Weitere Untersuchungen umfassen ein komplettes Blutbild, bildgebende Verfahren (Thorax-Röntgen, Hals-, Thorax- und Abdomen-CT und PET-CT) und gegebenenfalls auch eine Knochenmarkspunktion und Biopsien aus anderen Geweben, um die Ausbreitung der Krankheit ermitteln zu können.

Therapie von malignen hämatologischen Erkrankungen

Die Behandlung von Leukämien und Lymphomen ist besonders stark abhängig von der Art der Erkrankung (akut oder chronisch bei Leukämien) und dem Stadium bei der Erstdiagnose. Akute Leukämien werden heutzutage sehr gut mit Chemotherapeutika in Kombination mit Cortison behandelt. Bei über 90% der Kinder und etwa 80% der Erwachsenen kann dadurch eine komplette Remission erreicht werden. Neben einer Chemotherapie können auch gelegentlich allogene Stammzelltransplantationen indiziert sein, deren Ergebnisse ebenfalls sehr vielversprechend sind. In den letzten Jahren werden vermehrt personalisierte Ansätze (Tyrosinkinase-Inhibitoren, monoklonale Antikörper, etc.) verfolgt, um die Behandlung gezielter und mit geringeren Nebenwirkungen gestalten zu können. Auch chronische Leukämien können heutzutage gute Prognosen aufweisen. Die chronisch lymphatische Leukämie kann oft mehrere Jahre lang ohne Symptome verlaufen und erfordert keine Therapie. Erst sobald Symptome auftreten, kann eine Behandlung erfolgen, die normalerweise aus einer Zytostatikatherapie besteht. Auch bei dieser Erkrankung werden bereits gute Ergebnisse mit neuen Chemotherapeutika, monoklonalen Antikörpern und Tyrosinkinase-Inhibitoren erzielt. Die einzige kurative Option stellt jedoch die allogene Stammzelltransplantation dar. Auch die Therapieoptionen der chronisch myeloischen Leukämie haben sich in den vergangenen Jahren drastisch verbessert. Besonders seit der Einführung von Tyrosinkinase-Inhibitoren kann die Erkrankung sehr gut kontrolliert werden und das Blutbild sich unter Umständen sogar vollständig normalisieren. Erst im fortgeschrittenen Stadium kann auch hier eine Chemotherapie oder allogene Stammzelltransplantation notwendig sein.

Für die Behandlung von Lymphomen stehen im Allgemeinen eine Strahlentherapie und Chemotherapie zur Verfügung, häufig auch in Kombination. Bei lokal begrenzten Tumoren ist eine Bestrahlung am besten geeignet, bei stark metastasierten Lymphomen eher eine Chemotherapie. In fortgeschrittenen Fällen können diese beiden Therapieoptionen auch gleichzeitig erfolgen. Dank neuerer Behandlungsstrategien konnten in den vergangenen Jahren die Ergebnisse deutlich verbessert werden. Bei einigen Lymphomarten kann in einem frühen Stadium gelegentlich sogar eine Heilung erreicht werden. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen werden gute Ergebnisse durch hochdosierte Chemotherapien mit anschließender Knochenmarkstransplantation erzielt.

 

Weiterführende Informationen für Laien finden Sie hier: https://www.pfizer.at/gesundheit/seltene-erkrankungen/

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