Neuropathische Schmerzen

Dem neuropathischen Schmerz auf der Spur...

Allgemeines über den neuropathischen Schmerz

„Sichere“ neuropathische Schmerzen sind Schmerzen, 
1. die eine plausible neuroanatomische Verteilung zeigen (entsprechend dem peripheren/zentralen Innervations-
/Repräsentationsterritorium),
2. bei denen anamnestisch Hinweise auf eine Läsion oder eine zugrunde liegende Erkrankung bestehen, die das somatosensorische System schädigen kann, und
3. bei denen ein klinischer bzw. apparativer Nachweis von 1. und 2. erfolgt ist.

Die Trigeminusneuralgie ist als neuropathisches Schmerzsyndrom zu betrachten (Treede et al. 2008) (siehe Leitlinie „Trigeminusneuralgie“).

Epidemiologie des neuropathischen Schmerzes

Über 260.000 Menschen in Österreich leiden an neuropathischen Schmerzen.

  • viele davon seit mehr als 5 Jahren
  • die Schmerzen sind oft von Beginn an von hoher Intensität
  • oft treten zusätzlich Schlafstörungen, Depressionen und Angststörungen auf
  • die Vielfalt der Symptome erschwert dabei die Diagnose

Ursachen des neuropathischen Schmerzes

Neuropathische Schmerzen sind das Ergebnis abnormer Aktivität der nozizeptiven Bahnen. Mögliche Ursachen können u.a. sein: Chronische Erkrankungen wie Krebs, AIDS oder Diabetes oder auch Vorstufen von Diabetes wie Glucoseintoleranz.

Bei neuropathischen Schmerzen kann zwischen peripheren und zentralen Schmerzen unterschieden werden:

Periphere neuropathische Schmerzen2:

z.B.

  • Diabetische periphere Neuropathie (DPN)
  • Trigeminusneuralgie
  • Postherpetische Neuralgie (PHN)
  • Komplexe regionale Schmerzsyndrome
  • Posttraumatische Schmerzen
  • Tumor bedingte Schmerzen

Zentrale neuropathische Schmerzen2:

z.B.

  • Schmerzen nach Schlaganfall
  • Schmerzen bei Rückenmarksverletzungen
  • Schmerzen bei Multipler Sklerose

Therapie neuropathischer Schmerzen

Wie bei Epilepsie befinden sich auch bei neuropathischen Schmerzen die Neuronen in einem krankhaft übererregten Zustand. Dies bewirkt eine übermäßige Weiterleitung von Schmerzimpulsen.

Ein Antikonvulsivum z.B. kann helfen, das stabile Gleichgewicht zwischen hemmenden und erregenden Neurotransmittern wieder herzustellen und so die übermäßige Weiterleitung von Schmerzimpulsen zu dämpfen.

NSAR bzw. herkömmliche Analgetika sind für eine Behandlung von neuropathischen Schmerzen nicht geeignet. Es ist eine gezielte Therapie mit speziellen Arzneimitteln erforderlich3.

Pharmakotherapie gemäß den Leitlinien:
- 1. Wahl: TCA, SSNRI, Antikonvulsivum (Ca-Kanal) oder Capsaicin-Pflaster, Lidocain-Pflaster
- bei starken Schmerzen bzw. Notwendigkeit eines schnellen Wirkeintritts: Indikationsprüfung für zusätzliche Opioidgabe
- bei gemischtem neuropathischem nozizeptivem Schmerz: Erwägen einer Kombinationstherapie aus Nichtopioidanalgetikum oder Opioid mit TCA, SSNRI, Antikonvulsivum oder topischem Therapeutikum

*TCA = Trizyklische Antidepressiva, SNRI = Serotonin- Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer

Die S1-Leitlinien0 und die 2012 aktualisierten EFNS-Richlinien (Europäische Föderation Neurologischer Gesellschaften)5 bestätigen Neurontin und Lyrica als Therapieoption der 1. Wahl bei peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen.

 

Quellen

0 Pharmakologisch nicht interventionelle Therapie chronisch neuropathischer Schmerzen – Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 2012 www.awmf.de
1 Gustorff B, et al. Prevalence of self-reported neuropathic pain and impact on quality of life: a prospective representative survey. The Acta Anaesthesiologica Scandinavica Foundation. 2007: 132-137.
2 Schestatsky P, Nascimento OJ. What do general neurologists need to know about neuropathic pain? Arq Neuropsiquiatr. 2009 Sep;67(3A):741-9. Review.
3 Argoff CE, et al. Mayo Clin Proc. 2006;81(Suppl 4):S3–S11.
4 Finnerup NB, Otto M, McQuay HJ, et al. Algorithm for neuropathic pain treatment: An evidence based proposal. Pain 2005;118:289-305.
5 Attal  N et al. EFNS guidelines on the pharmacological treatment of neuropathic pain: 2010 revision. Eur J Neurol. 2010 Sep;17(9):1113-1123.

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