Neuropathische Schmerzen

Dem neuropathischen Schmerz auf der Spur...

1. Epidemiologie1

Über 260.000 Menschen in Österreich leiden an neuropathischen Schmerzen.

  • viele davon seit mehr als 5 Jahren
  • die Schmerzen sind oft von Beginn an von hoher Intensität
  • oft treten zusätzlich Schlafstörungen, Depressionen und Angststörungen auf
  • die Vielfalt der Symptome erschwert dabei die Diagnose

2. Definition neuropathischer Schmerz

Neuropathische Schmerzen sind Schmerzen, die durch eine Läsion oder Dysfunktion des somatosensorischen Systems hervorgerufen werden. Sie sind das Ergebnis abnormer Aktivität der nozizeptiven Bahnen. 
Mögliche Ursachen können sein: Chronische Erkrankungen wie Krebs, AIDS oder Diabetes oder auch Vorstufen von Diabetes bzw. Glucoseintoleranz.
Im Bereich des neuropathischen Schmerzes kann in periphere und zentrale Schmerzen unterschieden werden:

Periphere neuropathische Schmerzen2:

z.B.

  • Diabetische periphere Neuropathie (DPN)
  • Trigeminusneuralgie
  • Postherpetische Neuralgie (PHN)
  • Komplexe regionale Schmerzsyndrome
  • Posttraumatische Schmerzen
  • Tumor bedingte Schmerzen

Zentrale neuropathische Schmerzen2:

z.B.

  • Schmerzen nach Schlaganfall
  • Schmerzen bei Rückenmarksverletzungen
  • Schmerzen bei Multipler Sklerose

3. Therapie neuropathischer Schmerzen

Wie bei Epilepsie befinden sich auch bei neuropathischen Schmerzen die Neuronen in einem krankhaft übererregten Zustand. Dies bewirkt eine übermäßige Weiterleitung von Schmerzimpulsen.
Ein Antikonvulsivum z.B. kann helfen, das stabile Gleichgewicht zwischen hemmenden und erregenden Neurotransmittern wieder herzustellen und so die übermäßige Weiterleitung von Schmerzimpulsen zu dämpfen.
NSAR bzw. herkömmliche Analgetika sind für eine Behandlung von neuropathischen Schmerzen nicht geeignet. Es ist eine gezielte Therapie mit speziellen Arzneimitteln erforderlich.3

*TZA = Trizyklische Antidepressiva, SNRI = Serotonin- Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer

Die 2010 aktualisierten EFNS-Richtlinien5 bestätigen Lyrica als Therapieoption der 1. Wahl bei peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen.

 

Quellen

1 Gustorff B, et al. Prevalence of self-reported neuropathic pain and impact on quality of life: a prospective representative survey. The Acta Anaesthesiologica Scandinavica Foundation. 2007: 132-137.
2 Schestatsky P, Nascimento OJ. What do general neurologists need to know about neuropathic pain? Arq Neuropsiquiatr. 2009 Sep;67(3A):741-9. Review.
3 Argoff CE, et al. Mayo Clin Proc. 2006;81(Suppl 4):S3–S11.
4 Finnerup NB, Otto M, McQuay HJ, et al. Algorithm for neuropathic pain treatment: An evidence based proposal. Pain 2005;118:289-305.
5 Attal  N et al. EFNS guidelines on the pharmacological treatment of neuropathic pain: 2010 revision. Eur J Neurol. 2010 Sep;17(9):1113-1123.

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