Allgemeines über Nierentransplantation und Transplantabstoßung

Unter einer Nierentransplantation versteht man die operative Übertragung einer Niere von einem Organspender auf einen Organempfänger. Sie stellt die effektivste Behandlungsmethode des terminalen Nierenversagens dar. Nach einer Nierentransplantation ist für Betroffene eine lebenslange medikamentöse Therapie notwendig, die die Abstoßung des Spenderorgans verhindert (Immunsuppression).1

Epidemiologie der Nierentransplantation und Transplantabstoßung

Im Jahr 2019 wurden weltweit knapp 154 000 Organtransplantationen durchgeführt. 65% fielen auf Nierentransplantationen. In Österreich wurden 386 Nieren transplantiert, wobei 20% der Transplantate von Lebendspendern stammten. 80% der Empfänger erhielten Nieren von verstorbenen Spendern. Zum Jahreswechsel 2019 / 2020 standen in Österreich 631 Patienten / Patientinnen auf der Nierenwarteliste.2,3

Studien über das Transplantatüberleben zeigten, dass die akuten Abstoßungsreaktionen im ersten Jahr nach der Transplantation bei Totspendern etwas höher ist, als bei Lebendspendern. Die 5-Jahres-Überlebensrate für Allotransplantate (Transplantat von einer genetisch nicht-identen Person) beträgt etwa 65%, diejenige von Lebendspenden 79%.4,5,6

Immunologische Grundlagen der Nierentransplantation

Man unterscheidet zwei Arten von Organtransplantationen: die Lebendspende und die postmortale Spende. In beiden Fällen sind einige immunologische Kriterien für eine möglichst erfolgreiche Transplantation zu berücksichtigen. Die Aufgabe des menschlichen Immunsystem ist es nämlich, zwischen „selbst“ und „nicht-selbst“ zu differenzieren und als fremd erkannte Strukturen anzugreifen und zu zerstören. Die Hauptziele des Immunsystems bilden nach Organtransplantationen die sogenannten HLA-Antigene. Dies sind kleine Moleküle, die auf den Zelloberflächen zu finden sind. Vor jeder Transplantation werden also HLA-Merkmale und auch die Blutgruppen von Empfänger und Spender verglichen. Da jedoch nicht ausgeschlossen werden kann, dass das Immunsystem des Empfängers das Spenderorgan angreift (Abstoßungsreaktion), muss es durch Medikamente, sogenannte Immunsuppressiva, ausgebremst werden.1

Immunsuppressive Therapie und Abstoßungsreaktionen

Obwohl die genetischen Merkmale des Spenders und Empfängers bei einer Transplantation in vielen Hinsichten übereinstimmen – was die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Organtransplantation darstellt – ist dennoch die medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems notwendig. Sogenannte Immunsuppressiva, wie z.B. Cyclosporin A, Tacrolimus oder Sirolimus, schützen vor der Abstoßung des Organs. Die jeweilige Medikation wird dabei immer individuell auf den Patienten angepasst. 

Erkennt das Immunsystem das transplantierte Organ dennoch als fremd, kommt es zu einer sogenannten Transplantatabstoßung. Darunter versteht man Abwehrreaktionen des Immunsystems gegen das Spenderorgan. Man unterscheidet dabei basierend auf dem Zeitpunkt nach der Transplantation hyperakute, akute und chronische Abstoßungsreaktionen.

  • Hyperakute Abstoßungsreaktionen beruhen auf bereits vorhandenen Antikörpern gegen das Transplantat und treten innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden nach der Transplantation auf. Sie sind jedoch seit Einführung des präoperativen Cross-Matching deutlich seltener geworden.
  • Die akute Abstoßung ist die häufigste Form der Abstoßungsreaktionen. Sie tritt nach wenigen Tagen bis Wochen auf und beruht darauf, dass das Immunsystem des Empfängers das Spenderorgan als fremd erkennt und angreift. In der Regel ist diese Form medikamentös mittels einer hochdosierten Steroid-Therapie oder der Dosiserhöhung bzw. Umstellung des Immunsuppressivums gut beherrschbar.
  • Die chronische Abstoßung macht sich erst nach mehreren Monaten oder Jahren bemerkbar. Es kommt zu einem kontinuierlichen Funktionsverlust des Organs, wobei dieser Prozess sehr langsam und zunächst meist unbemerkt von statten geht. Da diese Form der Abstoßung mit einer höheren Dosierung der Immunsuppressiva nur schlecht zu behandeln ist, muss im schlimmsten Fall das Transplantat entfernt werden.1

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Referenzen:

1 Keller, C. K. (2010): Praxis der Nephrologie
2 Global Observatory on Donation and Transplantation: http://www.transplant-observatory.org/
3 Transplant-Jahresbericht 2019: https://d381b81e-2c28-4b09-b1ae-c9fe884e306d.filesusr.com/ugd/a1c43c_e99...
4 ÖBIG-Transplant (2018): Transplant-Jahresbericht 2017. Gesundheit Österreich GmbH, Wien
5 Global Observatory on Donation and Transplantation: http://www.transplantobservatory. org/summary/
6 Hart, A. et al. (2018): OPTN/SRTR 2016 Annual Data Report: Kidney (aus American Journal of Transplantation)