News-Archiv

Date of publishing: 4. März 2021
Wir freuen uns, Sie zur nächsten Ausgabe unseres digitalen Informations- und Diskussionsformats #WissenSchafftVorsprung einzuladen:...
Date of publishing: 2. März 2021
NEUE ZULASSUNG – NEUE WEGE BEIM UC: Geben Sie Ihren Patient*innen mit Urothelkarzinom mehr Zeit zum Leben....
Date of publishing: 1. März 2021

Seit 01.03.2021 ist die erste und derzeit einzige pharmakologische, in Europa zugelassene Therapie zur Behandlung der Wildtyp- oder hereditären Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) im NYHA Stadium I bis III in der Gelben Box des Erstattungskodex gelistet.

Wollen Sie mehr über ATTR-CM wissen? Dann besuchen Sie uns auf unserer Website verdachtunddiagnose.at

Date of publishing: 10. Februar 2021
Für innovative Projekte zur Verbesserung der Patientenversorgung – Pfizer Rheumatology Award  Das breite Spektrum rheumatologischer Erkrankungen k...
Date of publishing: 4. Februar 2021

Zentrale Sensibilisierung (engl. central sensitization, CS) führt bei vielen Erkrankungen mit chronischen Schmerzen zu einer gesteigerten Schmerzwahrnehmung, die nicht unmittelbar in Zusammenhang mit der tatsächlichen Gewebeschädigung stehen muss. Klinische Daten zeigen immer stärker werdende Hinweise auf die wichtige Rolle der CS bei Arthrose (OA)-Patient*innen in der Empfindung ihrer chronischen Schmerzen. 

Aktuelle Untersuchungen weisen darauf hin, dass die CS reduziert werden kann, je mehr der/die einzelne Patient*in über seine/ihre Schmerzen weiß. Patienten können dadurch besser selbst Einfluss auf die Verarbeitung von Schmerzreizen nehmen.

Eine kleine Studie

In einer spanischen Studie wurde der Einfluss zweier unterschiedlicher präoperativer Schulungskonzepte randomisiert an 44 Patient*innen mit Arthrose des Kniegelenks verglichen, die bereits mindestens 3 Monate lang Schmerzen hatten und auf eine Kniegelenksersatz-Operation warteten. In jeweils 4 Sitzungen erhielten 22 Patient*innen eine neurowissenschaftliche Schulung (NWS) in Kombination mit Kniegelenksmobilisierung und, als Kontrollgruppe, 22 weitere Patient*innen eine biomedizinische Schulung, ebenfalls in Kombination mit Kniegelenksmobilisierung. Als primärer Endpunkt wurde die conditioned pain modulation (CPM) als Biomarker für die zentrale Sensibilisierung zu Beginn der Studie (2 Monate vor der Operation), unmittelbar nach den vier Schulungseinheiten (1 Monat vor der OP), ein Monat nach der Schulung (unmittelbar vor der OP) sowie 3 Monate nach erfolgter Operation herangezogen.

Sekundäre Endpunkte waren die Ermittlung der Druckschmerzschwelle (pressure pain thershold, PPT), die zeitliche Summierung (temporal summation, TS) sowie die Auswertung der Daten aus mehreren Fragebögen: WOMAC Score; Central Sensitization Index (CSI), ein Screening-Tool für die zentrale Sensibilisierung; Pain Catastrophization Scale (PCS) zur Messung von Schmerz-Katastrophierung; sowie die Tampa Scale for Kinesiphobia (TSK-11), ein Tool zur Ermittlung der Kinesiophobie.

Zwei unterschiedliche Ansätze

Die beiden Schulungskonzepte unterscheiden sich in ihrem Inhalt: Bei der NWS werden anatomische Modelle und pathophysiologische Aspekte nicht thematisiert, der Fokus liegt auf funktionellen, neurophysiologischen Inhalten sowie dem Verständnis der Schmerzentstehung. In der biomedizinischen Schulung wird hingegen kein Wissen über Schmerzbiologie und Neurophysiologie vermittelt, der Fokus liegt hier auf der Anatomie, Physiologie und Verständnis des Therapiegeschehens. Die Kniegelenksmobilisierung war in der NWS-Gruppe nicht „schmerzgesteuert“, um keine zur NWS widersprüchlichen Botschaften zu kommunizieren.

„Gemischte“ Ergebnisse …

Bei der Auswertung der Daten konnten für den primären Endpunkt keine Unterschiede in der Effizienz der beiden Schulungsprogramme festgestellt werden: Der CPM Score zeigte lediglich bei der NWS-Gruppe 3 Monate nach erfolgter Operation gegenüber Baseline eine signifikante Verbesserung (p<0,05). Für die anderen Zeitpunkte sowie für die Kontrollgruppe wurden keine statistisch signifikanten Änderungen beobachtet. (Als mögliche Erklärung führen die Autoren in ihrer Diskussion der Ergebnisse die gewählte Methode zur Kniemobilisation an.)

… auch in sekundären Endpunkten

In den sekundären Endpunkten waren die Ergebnisse wie folgt: Die Druckschmerzschwelle zeigte in beiden Behandlungsgruppen eine signifikante Erhöhung (d.h. Verbesserung) gleich nach der Behandlung, 1 Monat nach der Behandlung sowie 3 Monate nach der Operation im Vergleich zur Baseline (aber nicht zwischen den genannten Zeitpunkten), ein Unterschied zwischen den Gruppen war hier nicht gegeben. Die Effektstärke der Verbesserung war mäßig und nur für lokale, nicht jedoch für entfernte Druckpunkte klinisch relevant; dennoch könnte die Zunahme der Druckschmerzschwelle für entfernte Druckpunkte auf eine Modulation des
zentralen Schmerzgeschehens hinweisen.

Der CSI Score verbesserte sich in beiden Behandlungsgruppen 3 Monate nach der Operation im Vergleich zur Baseline signifikant und der WOMAC Score verbesserte sich im Zeitverlauf für beide Behandlungsgruppen. Für die psychosozialen Variablen zur Schmerz-Katastrophierung und Kinesiophobie konnte eine deutlichere Verbesserung der NWS-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe gezeigt werden. In keiner der Gruppen konnte eine Veränderung in der zeitlichen Summierung beobachtet werden.

Eine Studie mit Einschränkungen

Zu den Limitationen der Studie führen die Autoren u.a. eine fehlende Kontrollgruppe ganz ohne Intervention an, zudem die kleine Gruppengröße, die Art der Analyse (per protocol) und den Umstand, dass aufgrund der multimodalen Herangehensweise die Wirksamkeit nicht für jede einzelne Behandlung untersucht werden kann.

Date of publishing: 4. Februar 2021

Arthrose ist weltweit die am schnellsten zunehmende Ursache für Behinderung. Dennoch werden Arthrosepatient*innen häufig nicht leitliniengerecht behandelt.

Um diese Situation zu verbessern, wird in Schweden seit 2008 das „Better Management of Patients with Osteoarthritis“, kurz BOA-Programm angeboten, das in mehr als 700 Gesundheitseinrichtungen (in erster Linie physiotherapeutischen Praxen) etabliert wurde.

Breit angelegtes Programm

BOA gliedert sich in drei Bereiche, zu denen (a) die Ausbildung von Physiotherapeut*innen und Ergotherapeut*innen (das Programm umfasst 1–2 Tage Training), (b) die Aufklärung von Patient*innen sowie (c) die Evaluierung von strukturierten Berichten von Patient*innen („patient-reported outcomes“) und von Physiotherapeut*innen zählen.

Ambitionierte Ziele

Die Erfolge des BOA-Programmes werden anhand verschiedener Methoden gemessen. Zu den Zielen des BOA-Programmes zählen:

  1. Reduktion von Schmerzen
  2. Verbesserung der Lebensqualität
  3. Bessere Fähigkeit, die Krankheit selbst zu bewältigen
  4. Weniger Medikamenteneinnahme
  5. Reduktion von Angstvermeidungsverhalten
  6. Steigerung der körperlichen Aktivität
  7. Geringere Bereitschaft zu Operationen
  8. Verkürzung von Krankenständen 

Umfangreiche Patient*innenschulung

Der direkt an Patient*innen gerichtete Teil des BOA-Programms besteht aus einer Schulung (2 Einheiten) und einem individuell angepassten Bewegungsprogramm: In zwei Gruppensitzungen von etwa 90 Minuten, die von einem/ einer Physiotherapeut*in für 7–12 Teilnehmer*innen pro Gruppe geleitet werden, erhalten die Teilnehmer*innen in der ersten Einheit eine Schulung über Risikofaktoren, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrosen. Die zweite Einheit fokussiert auf Bewegung, Alltagsaktivitäten, Bewältigungsstrategien und Selbstmanagement von Arthrosepatient*innen. In einer optionalen weiteren Sitzung wird den Patient*innen das individuelle Übungsprogramm durch einen/eine ausgebildete/n Physiotherapeut*in erklärt.

Gezieltes Training

Danach können die Patient*innen entscheiden, ob sie Trainingseinheiten selbstständig (zu Hause) oder während der vom/von der Physiotherapeut*in beaufsichtigten Gruppenübungen zweimal wöchentlich für 6 Wochen durchführen möchten. Um einen aktiven Lebensstil zu unterstützen, wird ein individueller Besuch nach 3 Monaten angeboten, unabhängig davon, ob die Patient*innen sich für die Teilnahme an der betreuten Gruppenübung entscheiden oder nicht. Die Patient*innen werden außerdem darüber informiert, dass ihnen nach 12 Monaten postalisch ein Fragebogen zu dem Programm und dessen Ergebnissen zugesandt wird.

Evaluierung als zentraler Bestandteil

Um die Wirksamkeit des BOA-Programmes unter realen Bedingungen zu bewerten und damit dessen Einsatz in Schweden zu fördern, wurden die Daten von 72.131 Patient*innen mit Knie- oder Hüftarthrosen, die vom 1. Mai 2008 bis zum 31. Dezember 2016 in das BOA-Register aufgenommen wurden, retrospektiv analysiert.

Von den ursprünglich 72.131 in die Studie aufgenommenen Patient*innen nahmen 44.634 an der dreimonatigen Nachbeobachtung und 30.545 an der zwölfmonatigen Nachbeobachtung teil. Alle Patient*innen hatten die theoretische Schulung besucht (dies war Voraussetzung, um an der Auswertung teilzunehmen), 86 % hatten das individuelle Trainingsprogramm in Anspruch genommen, nur 30 % jedoch in vollem Umfang.

Positive Ergebnisse nach 3 Monaten

Zwischen dem Ausgangswert und der Erhebung nach drei Monaten zeigten die Patient*innen deutliche Verbesserungen im Schmerz und in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Das Selbstvertrauen, mit der Arthrose selbst umgehen zu können, hatte ebenfalls deutlich zugenommen. Darüber hinaus berichteten deutlich weniger Patient*innen über tägliche Schmerzen als zu Beginn der Studie (Knie: 60 % versus
80 %; Hüfte: 67 % versus 85 %). Deutlich weniger Patient*innen nahmen Arthrose-Medikamente ein (Knie: 55% versus 75 %; Hüfte: 62 % versus 77 %). Die Bereitschaft, sich einer Operation zu unterziehen, war signifikant verringert. Weniger Patient*innen berichteten ein Angst-Vermeidungs-Verhalten oder körperliche Inaktivität.

Und wie lange halten die erzielten Erfolge an?

Nach Ende der zwölfmonatigen Nachbeobachtungszeit berichteten die Patient*innen über eine statistisch signifikante Verbesserung der Schmerzen und der Lebensqualität gegenüber dem Ausgangspunkt, jedoch eine statistisch signifikante Abnahme des Selbstvertrauens im Umgang mit der Erkrankung. Ebenfalls in diesem Zeitraum berichteten signifikant weniger Patient*innen über tägliche Schmerzen (Knie: 56 % versus 81 %, Hüfte: 62% versus 81 %) und äußerten seltener die Bereitschaft zur Operation (nicht signifikant bei Kniearthrosen). Weniger Patient*innen wiesen ein Angst-Vermeidungs-Verhalten auf, Krankenstände waren reduziert.

Angebote nachhaltig nutzen

Nach drei Monaten hatten sich also die Ergebnisse aller untersuchten Messgrößen verbessert, schwächten sich jedoch in der Betrachtung über 12 Monate tendenziell wieder ab.

Insbesondere die Effekte hinsichtlich der Selbstwirksamkeit, der körperlichen Aktivität und der Bereitschaft, sich einer Operation zu unterziehen, waren deutlich reduziert verglichen mit den Ergebnissen nach drei Monaten. Die Autor*innen betonen daher die Notwendigkeit, die Bereitschaft der Patient*innen zu erhöhen, Therapieangebote anzunehmen und Änderungen ihres Lebensstils beizubehalten.

Fazit

Die vorgestellte Studie unterliegt zahlreichen Einschränkungen, allen voran, dass es sich um eine Beobachtungsstudie ohne Vergleichsarm handelt. Zudem stammen die Ergebnisse aus sehr unterschiedlichen klinischen Settings, und die meisten Daten sind „self-reported“. Andererseits ist die Anzahl der Teilnehmer*innen mit mehr als 40.000 sehr groß, was die Generalisierbarkeit der Beobachtungen verbessert.

Zusammenfassend konnte die schwedische Forschungsgruppe zeigen, dass die Teilnahme am BOA-Programm zu einer statistisch signifikanten Reduktion der Symptome und weniger Medikamenteneinsatz führte. Auch die Krankenstände waren reduziert. Das Programm hat daher das Potenzial, die Krankheitsbelastung zu reduzieren.

Date of publishing: 3. Februar 2021

Der Einsatz von Schulungsmaßnahmen im Schmerzmanagement ist nicht neu. Im Bereich der Orthopädie gibt es dazu eine Reihe Studien mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen, was die Wirkung auf den Schmerz betrifft.

Allerdings werden in der Orthopädie traditionell vor allem anatomische oder biomechanische Modelle zur Hilfe genommen, in denen einfach eine Verbindung zwischen der Schädigung und dem empfundenen Schmerz hergestellt wird.

Schwerpunkt Schmerzverarbeitung

Eine neurowissenschaftliche Schulung (NWS) bezieht sich hingegen auf die Schmerzverarbeitung, also auf die „Interpretation“ des Schmerzes durch das Nervensystem, die eben nicht notwendigerweise eine exakte Wiedergabe des Geschehens im geschädigten Gewebe ist.

Studien hatten positive Effekte dieser Art von Schulung gezeigt, und sie schien verstärkt zum Einsatz zu kommen.

Kritische Evaluierung

Um die NWS kritisch zu evaluieren, untersuchte eine amerikanische Forschungsgruppe um Adriaan Louw in einem systematischen Review die Wirksamkeit dieser Intervention bei Patienten mit chronischen muskuloskelettalen Schmerzen.

Darin wurden 8 relevante Publikationen (aus den Jahren 1999–2010) näher untersucht und verglichen. Die analysierte Population setzte sich aus insgesamt 401 Patientinnen und Patienten zusammen, 63 % waren Frauen. Das durchschnittliche Alter lag bei 38 Jahren. In den einzelnen Studien war die neurowissenschaftliche Schulung mit Personen durchgeführt worden, die an einem chronischen Erschöpfungssyndrom, chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen, chronischem Peitschenschlagsyndrom oder chronischen Schmerzen im unteren Rücken (chronic low-back pain, CLBP) litten.

Ähnliche Schulungsinhalte

In fast allen untersuchten Studien erfolgte die Schulung durch Physiotherapeutinnen und -therapeuten. Die Dauer und Häufigkeit der NWS waren sehr unterschiedlich; insgesamt lag der Zeitaufwand zwischen 30–60 Minuten bis zu 8 Stunden. Zumeist wurde die NWS als ein- oder mehrmalige Einzelsitzungen durchgeführt. Als Hilfsmittel kamen z. B. Bilder, Beispiele, Metaphern, Handzeichnungen oder Arbeitsbücher zum Einsatz.

Je nach Studie wurden mehrere der folgenden Inhalte vermittelt:

  • Neurophysiologie des Schmerzes
  • Nozizeption und nozizeptive Bahnen
  • Neuronen, Synapsen
  • Aktionspotenziale
  • Spinale Hemmung und Weiterleitung
  • Periphere und zentrale Sensibilisierung
  • Plastizität des Nervensystems

In vier der Studien wurde ein bestehender Text („Explain Pain“) als Grundlage der NWS verwendet.

Verschiedene Zielparameter – positive Ergebnisse

Bei der Beurteilung der Wirksamkeit der NWS ist zu berücksichtigen, dass die gewählten Zielparameter in den untersuchten Studien sehr unterschiedlich waren. Daher konnten die Daten auch nicht gepoolt werden. Die Autoren heben jedoch ausdrücklich hervor, dass die Ergebnisse eine gute Evidenzlage für den Einsatz der NWS bieten: NWS war klar in der Lage, Schmerz zu lindern, die körperliche Leistungsfähigkeit
zu erhöhen sowie Beeinträchtigung zu verringern. Auch auf katastrophisierendes Verhalten konnte eine lindernde Wirkung gezeigt werden.

Keine „optimale Dauer“

Einzelunterricht lieferte bessere Ergebnisse als Gruppenunterricht. Eine optimale Dauer des Unterrichts konnte hingegen nicht ermittelt werden. In drei Studien zeigte sich aber, dass Lerneinheiten zwischen 30 und 45 Minuten sehr erfolgreich waren und in Kombination mit mobilisierenden Therapien angeboten werden konnten. Diese Erfolge in kurzen Zeitspannen sind wahrscheinlich das Ergebnis der immer besser werdenden Sensibilisierung und Ausbildung der Ärzte und Physiotherapeuten hinsichtlich neurowissenschaftlicher Schulungskonzepte.

Eine andere Denkweise

Hauptziel in der NWS ist es, den Betroffenen den Zusammenhang der Wahrnehmung des Schmerzes mit dessen Verarbeitung im Nervensystem klarzumachen. Das steht im Gegensatz zu konventionellen Ansätzen, die stark auf die Gewebeverletzung abstellen. Die NWS lehrt die Patienten in erster Linie (ohne freilich die Verletzung zu ignorieren), dass das Nervensystem die Schmerzwahrnehmung verändern kann. Das soll dabei helfen, mit dem Schmerz besser zurechtzukommen.

Fazit

Die Ergebnisse der systematischen Übersichtsarbeit zeigten überzeugend, dass eine neurowissenschaftliche Schulung von chronischen Schmerzpatienten klinisch relevante, positive Auswirkungen auf passive und aktive physische Bewegungen erzielte. Die positiven Effekte der neurowissenschaftlichen Schulung könnten den Patienten eine Neubewertung ihrer Bewegungsfähigkeit erlauben.

Date of publishing: 1. Februar 2021
Die richtige Dosierung ist ein Schlüssel zu wirksamer und verträglicher Therapie – gerade auch im Bereich der Gerinnungshemmer. Ein Kurzvideo...
Date of publishing: 12. Oktober 2020

Eine von vier Personen wird im Laufe ihres Lebens unter Hüftarthrose leiden. Diese Zahl ist aufgrund steigender Lebenserwartung und zunehmendem Body-Mass-Index (BMI) in der Bevölkerung ansteigend.

Die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten dieser degenerativen, schmerzhaften Erkrankung zielen auf Schmerzlinderung und Funktionserhalt des Hüftgelenks ab und reichen von Physiotherapie, Gewichtsreduktion und Schmerzbehandlung bis hin zum operativen Hüftgelenksersatz.

Die Rolle der Hüftmuskulatur 

Die Hüftmuskulatur besteht aus mehreren Muskeln, die einen geschlossenen Muskelmantel um das Hüftgelenk bilden. Eine gut ausgeprägte Hüftmuskulatur spielt daher eine große Rolle in der Stabilisierung des Hüftgelenks.

Um die Muskelkraft zu messen, kann die Korrelation mit der sogenannten physiologischen Querschnittsfläche (PCSA oder CSA), welche das Maß für die Gesamtfläche der Querschnitte senkrecht zu den Muskelfasern in Pennatmuskeln darstellt, herangezogen werden. Die Rolle der einzelnen am Hüftgelenk beteiligten Muskeln hinsichtlich ihrer CSA und der Auswirkung auf Hüftgelenksschmerzen und -funktion wurde nun von einer australischen Studiengruppe an 27 Patient*innen mit milder bis moderater Hüftosteoarthrose untersucht.

Das Studiensetting

Die Probanden – 18 Frauen und 9 Männer – kaukasischer Ethnie waren im Schnitt 63 Jahre alt, hatten einen durchschnittlichen BMI von 28, litten in den letzten 3 Monaten vor Studienbeginn unter Hüftschmerzen und wiesen einen Harris-Hip-Score (HHS) von < 95 Punkten sowie einen Kellgren-Lawrence Grad 2 oder 3 und/oder eine Gelenksspaltweite ≤ 3 mm in einer oder beiden Hüften auf.

Der Querschnitt der einzelnen Hüftmuskeln (psoas major, rectus femoris, gluteus maximus, medius und minimus, adductor longus und magnus, internus und obturator externus) wurde durch Magnetresonanz-Bildgebung ermittelt. Hüftschmerzen und -funktion wurden über den Hip Disability and Osteoarthritis Score (HOOS) evaluiert und in 5 Subskalen kategorisiert: Schmerzen, Symptome, tägliche Aktivitäten, Sport und Erholung und hüftbezogene Lebensqualität.

Hüft-Adduktoren und -Flexoren als Target für gezielten Muskelaufbau?

Nach Adjustierung auf Alter und Geschlecht zeigte sich, dass größere Querschnitte des adductor longus und adductor magnus mit einem größeren HOOS Score in Lebensqualität (Regressionskoeffizient 1.4, 95 % Konfidenzintervall (KI) 0.2–2.7, p=0.02), täglichen Aktivitäten (Regressionskoeffizient 1.3, 95 % KI 0.1–2.6, p=0.04) und Sport und Erholung (Regressionskoeffizient 1.6, 95 % KI 0.1–3.0, p=0.04) korrelierten.

Ein positiver Trend zeigte sich auch zwischen größerer Querschnittsfläche des psoas major und besserer Lebensqualität (Regressionskoeffizient 3.6, 95 % KI -0.5–7.7, p=0.08).

Die Ergebnisse dieser kleinen Studie müssen in größeren Verlaufsstudien bestätigt werden, geben aber erste Hinweise darauf, dass die Stärkung der Hüftadduktoren und Hüftflexoren positive Effekte in Bezug auf Gelenksfunktion und Lebensqualität bei Patient*innen mit milder bis moderater Hüftarthose bewirken könnte.

Date of publishing: 12. Oktober 2020

In motorischen Funktionstests bei Frauen mit Kniegelenksarthrose war die Kraft der Kniegelenksmuskulatur – neben anderen Parametern – der entscheidende Faktor.

Das ergab eine Querschnittsstudie an mehr als 100 Patientinnen, die von drei ÄrztInnen der Abteilung für physikalische Medizin und Rehabilitation an der Akdeniz Universität in Antalya (Türkei) durchgeführt wurde. 

Bei älteren Frauen ein besonders häufiges Problem 

Die funktionelle Einschränkung ist ein Prädiktor für Behinderung, also für gesundheitlich bedingte Schwierigkeiten, Aktivitäten durchzuführen. Kniegelenksarthrose gehört zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen älterer Menschen; auch sie führt zur Funktionseinschränkung und damit zur körperlichen Behinderung. Frauen sind Berichten zufolge von dieser Funktionsabnahme besonders betroffen.

Welche „Funktion“? ...

Wesentliche Funktionseinschränkungen betreffen vor allem das Gehen und das Stiegensteigen. Diese Einschränkungen scheinen jedoch nicht nur eindimensional mit dem Schmerz verknüpft zu sein; vielmehr besteht offenbar eine komplexe Interaktion mit soziodemographischen, pathologischen und psychologischen Faktoren. Ein höheres Alter und ein erhöhter Body Mass Index (BMI) tragen zum Risiko bei. Komorbiditäten sind häufig. Neben dem Schmerz findet man häufig eine Muskelschwäche im Bereich des betroffenen Gelenks; dessen Bewegungsradius ist in der Regel eingeschränkt. Spätfolgen der Erkrankung können Depression und Angsterkrankungen sein.

… und was beeinflusst sie?

In der vorliegenden Studie wollte man Hinweise darauf erhalten, welche Determinanten sich auf die Funktion auswirken. Dazu wurden demographische, pathologische, psychologische und andere Faktoren berücksichtigt. An der Studie nahmen 110 Frauen ab 50 Jahren teil, die mit Knieschmerzen in der Ambulanz vorstellig geworden waren und die ACR-Kriterien für Kniearthrose erfüllten. Körperliche Leistungstests umfassten den 10- Meter-Gehtest, einen Aufsteh-Gehtest (Timed up and go) und einen Test im Stiegensteigen; gemessen wurde jeweils die benötigte Zeit.

Zusätzlich wurde mit jeder Patientin die WOMAC Physical Function Subscale erhoben (self-reported Function) und mit einer visuellen Analogskala die Schmerzintensität geschätzt. Mit Hilfe eines Dynamometers wurde die Muskelstärke am Quadrizeps und der hinteren Oberschenkelmuskulatur gemessen und gemittelt. Ein Goniometer diente zur Messung des Bewegungsradius (Flexion) im Knie.

Für die Bestimmung des Schweregrads der Arthrose wurde der Kellgren-Lawrence-Score herangezogen. Zudem kam die Hospital Anxiety and Depression Scale zur Anwendung, um affektive Symptome standardisiert zu erfassen.

Muskelkraft und Knieschmerzen als Hauptparameter

Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen lag bei knapp 61 Jahren, der durchschnittliche BMI bei 31. Die mittlere Muskelkraft betrug 0,64 Nm/kg. Auf der visuellen Analogskala wurde im Durchschnitt eine Schmerzintensität von 4,9 (aus 10) angegeben. Die Hauptdeterminante für die Leistungstests war die Stärke der Kniemuskulatur. Auch der Flexions-Bewegungsradius, Knieschmerz und das Alter spielten eine wesentliche Rolle. Betrachtet man die selbst berichtete Funktion (WOMAC Physical Function Subscale), so wurde sie hauptsächlich durch den Knieschmerz bestimmt (auch BMI, Angst und Muskelkraft spielten hier z. B. eine Rolle). Weitere Parameter waren mit einzelnen Einschränkungen assoziiert. Ein klarer Zusammenhang zwischen radiologischer Schwere der Arthrose mit der Funktion wurde nicht gefunden.

Mehrere Limitationen – unter anderem der Querschnittscharakter der Studie, also der Umstand, dass die Patientinnen nur einmal und nicht über einen Zeitverlauf untersucht wurden – schränken die Aussagekraft der Studie ein.

Muskelschwäche verbessen – Muskelschmerzen bekämpfen

Entsprechend den Ergebnissen fordern die Autorinnen, dass die Verbesserung einer Muskelschwäche und der Erhalt der Muskelkraft bei Frauen mit Kniegelenksarthrose ein Therapieziel sein muss.

Zudem sollten dem Bewegungsradius in der Knieflexion, Schmerzmanagement, Gewichtsabnahme und Verbesserung von Angstsymptomen im Management der Kniearthrose Priorität eingeräumt werden. Da Leistungstests und selbstberichtete Parameter offenbar unterschiedliche Aspekte der Funktion untersuchen, sollten, so die Autorinnen, bei Frauen mit Kniearthrose beide Erhebungen durchgeführt werden.

Date of publishing: 12. Oktober 2020

Schmerzen im Bewegungsapparat sind nicht nur unangenehm, sondern beeinträchtigen auch die Funktion des betroffenen Bereiches. Daten deuten seit einiger Zeit darauf hin, dass dieser Funktionsverlust aber nicht nur „eindimensional“ mit dem Schmerz verbunden ist, sondern vielmehr auch mit einer verschlechterten kognitiven Leistung.

Die Richtung dieser Assoziation (also was wodurch bedingt ist, falls eine Kausalität existiert) ist dabei freilich noch unklar. Die Kognition könnte möglicherweise die Auswirkungen der Schmerzintensität auf die Funktion beeinflussen: Ist die negative Auswirkung des Schmerzes auf die Funktion weniger ausgeprägt, wenn die Kognition in Ordnung ist?

Eine kleine Querschnittsstudie

Um die Datenlage zu ergänzen, unternahm eine Gruppe von ÄrztInnen aus verschiedenen Abteilungen der School of Medicine an der University of Pittsburgh eine Querschnittsstudie (d. h. die teilnehmenden Personen wurden nur einmal untersucht). Dabei sollten die Assoziationen zwischen Schmerzintensität, kognitiver Funktion und körperlicher Funktion näher untersucht werden. 79 ambulante Kriegsveteranen mit fortgeschrittener Arthrose des Kniegelenks, die bereits an einer Therapiestudie teilnahmen, erklärten sich zur Teilnahme an dieser Substudie bereit. Alle waren 60 Jahre oder älter; ihre Arthrose entsprach radiologisch einem Kellgren-Lawrence-Score von 3 oder 4 und verursachte zumindest mäßige Schmerzen. Eine kognitive Beeinträchtigung entsprechend einem Mini-Mental-Score (MMSE) < 24 führte ebenso zum Ausschluss wie schwere unkorrigierte Höroder Sehbeeinträchtigung.

Ausführliche Tests

Nach einer kurzen klinischen Begutachtung des Knies wurden ausführliche Testungen der kognitiven Funktion vorgenommen: Die Exekutivfunktion und die Gedächtnisfunktion wurden mit psychologischen Instrumenten untersucht (Tracking Test, Bankomat-Test, Bild-Wiedererkennung, Worterinnern).

Die Funktion des Bewegungsapparates wurde anhand der Geschwindigkeiten im 4-m-Gehtest und beim Stiegensteigen evaluiert. Zur Messung der Schmerzintensität wurde der McGill Pain Questionnaire Short Form (MPQ-SF) herangezogen, dessen Gesamtscore sich aus einem Sensory Subscore und einem Affective Subscore ergibt. Zusätzlich wurden Komorbiditäten, eine allfällig bestehende Depression sowie der Body-Mass-Index (BMI) erhoben.

Entsprechend der Studienpopulation aus Kriegsveteranen waren fast alle teilnehmenden Personen (96 %) männlich. Das Durchschnittsalter lag bei 70 Jahren, der mittlere BMI bei 30,6. 

Stärkere Schmerzen – schlechtere Gehtests …

Für den MPQ-SF Total Score und den MPQ-SF Affective Score wurde – wenig überraschend – eine statistisch signifikante inverse Assoziation mit der Gehgeschwindigkeit gefunden. Ein verschlechterter MPQ-SF Total Score, Affective Score oder Sensory Score war weiters mit schlechteren Resultaten im Stiegensteigen verbunden.

… aber keine Assoziation zwischen Schmerz und Kognition

Eine Regressionsanalyse (adjustiert für Alter, Komorbiditäten, BMI und Intelligenz) zeigte keine statistisch signifikanten Assoziationen der MPQ-SF Scores mit kognitiven Scores.

Knieschmerzen bei Kniearthrose

Exekutivfunktion und Bewegungsleistung

In Regressionsanalysen zeigte sich, dass schlechtere Ergebnisse im Bankomat-Test auch mit schlechterer Gehgeschwindigkeit assoziiert waren. Bessere Scores im Tracking-Test waren mit rascherem Stiegensteigen verbunden. Für die Gedächtnistests wurde keine statistisch signifikante Assoziation gefunden.

Abschließend stellte sich die Frage, ob die kognitive Funktion die Beziehung zwischen Schmerz und Bewegungsfunktionen beeinflusst. Es wurde gezeigt, dass die Exekutivfunktion zwar den Zusammenhang zwischen Schmerz und Gehtest, aber nicht zwischen Schmerz und Stiegensteigen zu beeinflussen schien. Die AutorInnen vermuten, dass der Grund in der geringen Studiengröße liegen könnte, oder aber, dass der Gehtest möglicherweise das empfindlichere Instrument zur Darstellung der Abnahme der Bewegungsleistung ist.

Kognition mitbeachten

In ihrer Zusammenfassung betonen die Autorinnen, dass die Kognition in der Bewegungsfunktion eine wichtige Rolle einnehmen könnte; das sei wichtig, weil eine frühe Erkennung einer Gangverschlechterung die Gelegenheit zur frühen Erkennung allfälliger kognitiver Störungen biete – und bei positivem Befund die Möglichkeit zur frühzeitigen Intervention. Weiters sei es möglich, dass Schmerz bei intakter kognitiver Funktion weniger wahrscheinlich einen Effekt auf die Motorik habe.

Die Richtung der Assoziation bleibe jedoch ungeklärt: Es sei denkbar, dass der Schmerz die kognitive Funktion beeinträchtige, aber ebenso denkbar sei eine Beeinflussung der Schmerzverarbeitung durch veränderte kognitive Fähigkeiten. Beides könnte sich auf die motorische Leistung auswirken. 

Noch in den Kinderschuhen

Die Studienergebnisse liefern freilich nur vorläufige Hinweise und müssen mit äußerster Vorsicht interpretiert werden! Dies vor allem deshalb, weil die Studienpopulation mit N=79 sehr klein war und fast nur Männer beinhaltete und weil durch das Querschnittsdesign keinerlei Beobachtung über den Zeitverlauf stattfand.

Zudem wurde keine statistische Korrektur für multiples Testen vorgenommen (das erhöht die Wahrscheinlichkeit von Zufallsergebnissen). Aus vorliegender Arbeit sind daher keine definitiven Schlüsse möglich.

Date of publishing: 5. Oktober 2020

Das Management invasiver Pilzinfektionen stellt das betreuende Team vor diagnostische und therapeutische Herausforderungen. 

Nach wie vor sind Schimmelpilzinfektionen wie invasive Aspergillosen (IA) und Mukormykosen durch schwere Verläufe, die in vielen Fällen eine Intensivbehandlung notwendig machen, gekennzeichnet1. Gleichzeitig entziehen sie sich häufig der Diagnose. Gerade im Intensivsetting bestehen oft nur unspezifische klinische Zeichen, und der Nachweis einer IA erfordert ein Gesamtbild auf der Basis mehrerer Untersuchungsmethoden. Eine Analyse von Autopsieberichten zeigte, dass die Diagnose einer invasiven Pilzinfektion in 54 von 100 Fällen erst post mortem gestellt worden war2

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Date of publishing: 22. September 2020

Diese Woche findet die „Fungal Awareness Week“ statt, eine Initiative, die auf die Gefahren für Ihre Patient*innen durch Pilzinfektionen aufmerksam machen will. Invasive Aspergillosen (IA) zählen zu den häufigsten invasiven Schimmelpilzinfektionen und sind mit hoher Morbidität und Letalität verbunden, insbesondere bei Patient*innen mit beeinträchtigtem Immunsystem.1

Date of publishing: 5. August 2020
Der Übergang von der Kinder- und Jugend- in die Erwachsenenmedizin ist für gesunde Jugendliche kaum spürbar. Für chronisch kranke junge Menschen...
Date of publishing: 4. August 2020
Die Zeit, die Ihnen mit Ihren Patient*innen Verfügung steht, ist begrenzt und wertvoll – nicht nur in der Covid-Zeit. Wenn Ihre Patientin, Ihr...
Date of publishing: 25. Januar 2021
Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern (VHF) sind häufig älter oder haben Komorbiditäten wie beispielsweise eine eingeschränkte...
Date of publishing: 24. März 2020
Sie haben hier die Möglichkeit, ein Online Gespräch mit unserem Spezialisten*in im Außendienst anzufordern....
Date of publishing: 11. Februar 2020
Pfizer engagiert sich unter anderem für eine optimale Rehabilitation. In der Neurorehabilitation gibt es verschiedene technische Hilfsmaßnahmen, es...