Durch die stetig fortschreitenden Erfolge in Forschung und Entwicklung, haben in den letzten Jahren nach und nach innovative Therapieformen Einzug in die Klinik genommen.1 Darunter auch die Gentherapie. Diese neue Form der Therapie zielt darauf ab, die Ursache der Erkrankung bei der Wurzel zu packen: den defekten Genen.  Mit Hilfe von Gentherapien sollen intakte Versionen dieser defekten Gene in die Zellen gebracht werden (Genersatztherapie), die Expression reguliert (also wie oft die Information eines Gens abgelesen und zu einem Protein umgeschrieben wird) oder zukünftig auch der Gendefekt gezielt korrigiert werden. Ziel ist es, die Erkrankung durch eine einmalige Verabreichung der Therapie dauerhaft zu behandeln.2,3,4 Bis dato gibt es erst sehr wenig zugelassene Gentherapien1, um genetische Erkrankungen gezielt zu behandeln, doch die stark aktive Forschung in diesem Bereich lässt auf viele mehr in Zukunft hoffen.
 

Transport der Gentherapien in die Zelle

Um eine Gentherapie in die gewünschte Zielzelle zu bringen, gibt es mehrere Methoden.4 Für die Genersatztherapie werden vor allem virale Vektoren zur Hilfe genommen. Hierbei handelt es sich um modifizierte Viren, die Zellen zwar infizieren können, aber ihre Fähigkeit zur Replikation (Vermehrung) vollständig verloren haben. Ihr ursprüngliches virales Genom wurde entfernt und durch eine Genkassette ersetzt, die das therapeutische Gen in die Zielzellen bringen soll.5 
Diese Therapien können in vivo- also direkt im Körper- oder ex vivo- außerhalb des Körpers -erfolgen. Welche Methode man nimmt, hängt mit der zu behandelnden Erkrankung und dem verwendeten viralen Vektor zusammen.3 Genauere Details dazu erfahren Sie im eLearning zu den Grundlagen der Gentherapie.
 

Immunologische Aspekte der Gentherapie

Ist die Möglichkeit einer Behandlung durch eine Gentherapie gegeben, gilt es weiters einige immunologische Aspekte, die hier eine wichtige Rolle spielen, zu beachten und im Auge zu behalten. Zum einen können Patienten neutralisierende Antikörper (nAK) gegen den viralen Vektor haben. Diese nAKs erkennen den Virus, binden diesen und verhindern so die Infektion der Zielzelle. Zum anderen spielt die zelluläre Immunantwort nach der Infektion der Zellen eine wichtige Rolle. Teile der Virenproteine können nach dem Abbau des Virus durch Proteasome an der Wirtszelloberfläche präsentiert werden und vom Immunsystem (CD8+ T Zellen) als fremd anerkannt werden. Daraufhin können die therapierten Zellen zerstört werden, was einen Verlust des Behandlungseffekts zur Folge hätte.6

Wie lange die Behandlung letztendlich wirkt, ist derzeit noch unbekannt. Eine Gentherapie korrigiert bzw. behandelt lediglich die genetischen Veränderungen in den Körperzellen, jedoch nicht in den Keimbahnzellen, weswegen die Erkrankung weiterhin vererbt werden kann.7,8

Weitere Informationen finden Sie auch im Gentherapie-eLearning-Video von Univ.-Prof.in Dr.in Ingrid Pabinger-Fasching und DDR. Andreas Reinisch.

Zum eLearning

 

Referenzen:
1. Horgan D et al. Biomed Hub (2020) 5(3): 130–152
2. Rossor AM, Reilly MM, Sleigh JN. Pract Neurol (2018); 18: 126–131
3. High KA & Roncarolo MG. N Engl J Med (2019); 381: 455-64
4. Goswami R et al Front Oncol (2019); 9:297
5. Lundstron K. Diseases (2018); 6(2):42
6. Shirley JL et al, Mol Ther (2020), 28(3): 709-722
7. Couto L. et al, Hum Gen Ther (2004), 15(3):287-91
8. Schuettrumpf J et al, Mol Ther (2006), 13(6):1064-73

Wollen Sie sich der Komplexität der Thematik Gentherapie nähern?

Im eLearning Grundlagen der Gentherapie mit 2 DFP-Punkten werden auf verständliche Art und Weise die unterschiedlichen Aspekte der Gentherapie beleuchtet.

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Lernziele:
  • Überblick über die historische Entwicklung der Gentherapie
  • Kenntnis der unterschiedlichen Formen von Gentherapie und ihrer jeweiligen Vor- und Nachteile inklusive möglicher Nebenwirkungen
  • Basis-Verständnis über Einsatzbereiche unterschiedlicher Vektorsysteme
  • Unterschiede zu herkömmlichen medikamentösen Therapien
  • Anforderungen zur Behandlung von PatientInnen mittels Gentherapie

Referenten:
Univ.-Prof.in Dr.in Ingrid Pabinger-Fasching
DDr. Andreas Reinisch

Lecture Board:
Univ.-Prof. Dr. Christoph Male
OA Dr. Gerhard Schuster

Fortbildungsanbieter:
Gesellschaft der Ärzte in Wien