Nach deutlich über einem Jahr seit Ausbruch der SARS-CoV-2 Pandemie kennen wir alle die schwerwiegenden Symptome, die eine COVID-19 Erkrankung mit sich bringen kann. Doch immer öfter hört man nun von Fällen, bei denen die Symptome selbst nach Wochen und Monaten nicht abklingen. Oft kommen zu den anfänglichen Symptomen wie Atemnot, Husten, und Fieber neue Symptome dazu. Diese langwierigen Krankheitsverläufe stehen aktuell als Post-COVID und Long-COVID im Fokus der Öffentlichkeit. In diesem Artikel erfahren Sie die wichtigsten Punkte, sowie den Unterschied zwischen Post-COVID und Long-COVID.

Was bedeutet Long-COVID? 

Eindeutige Definitionen von Long-COVID und Post-COVID sind aktuell noch fließend. Während lange Zeit der Ausdruck „Long-COVID“ vor allem unter Laien bekannt war, werden beide Begriffe nun auch unter Experten vor allem anhand zeitlicher Einteilungen der Symptome definiert. Im deutschsprachigen Raum hat die AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) dazu eine Leitlinie verfasst.1 Diese orientiert sich an den internationalen Leitlinien der NICE (National Institute for Health and Care Excellende), SIGN (Scottish Intercollegiate Guidelines Network) und RCGP (Royal College of General Practitioners).2,3

Long-COVID Symptome nach Dauer

Aus ihr geht folgende Einteilung hervor:

  • Bei Symptomen bis zu 4 Wochen nach der Infektion mit dem SARS-CoV-2 Virus handelt es sich um akutes COVID-19. Dabei treten verschiedene Schweregrade auf. Schwere und kritische Fälle müssen im Spital versorgt werden. 

  • Im weiteren Verlauf (4-8 Wochen) werden die Symptome als fortwährend bezeichnet. Typische Symptome sind Husten, Atemnot, Fieber, Hals-/Kopf-/Gliederschmerzen.

  • Bleiben die Symptome länger als 8 Wochen bestehen und können nicht durch weitere Diagnosen anderen Erkrankungen zugeschrieben werden, spricht man vom Post-COVID Syndrom.

  • In Fachkreisen wird nun die gesamte Zeit ab 4 Wochen nach der Infektion als Long-COVID bezeichnet, sobald zu den bestehenden Symptomen auch neue hinzukommen. 
     

Patient*innen, die an Long-COVID bzw. Post-COVID leiden, werden auch als „Long Hauler“ bezeichnet, da sie die Symptome noch lang mit sich mitschleppen. Die Symptome werden auch unter der Abkürzung „PASC“ (Post Acute Sequelae SARS-CoV-2 Infection) zusammengefasst. Dabei ist zu beachten, dass die Beschwerden in Wellen kommen und gehen. Oft setzen die Symptome bei Long-COVID nach einer Phase scheinbarer Genesung ein.

Welche Symptome treten bei Long-COVID auf?

Bei Long-COVID kommen weitere Symptome zu den bestehenden Symptomen der akuten Phase hinzu. Die Symptomatik ist daher multifaktoriell und kann sich auf sehr diverse Weise zeigen. Die Symptome sind:

  • respiratorisch
  • kardiovaskulär
  • generalisiert
  • neurologisch
  • gastrointestinal
  • psychologisch/ psychiatrisch

In einer Publikation im Jänner 2021 wurden alle bislang bekannten Berichte zu Post-COVID und Long-COVID systematisch untersucht und die Symptome anhand ihrer Häufigkeit grafisch dargestellt.4
 
Long-COVID: Häufigkeit der Symptome
 

Hier wird deutlich, dass die chronische Erschöpfung (Fatigue) besonders häufig auftritt. Aktuell wurde jedoch noch kein Zusammenhang zwischen dem chronischen Erschöpfungssyndrom (CSF, auch als Myalgic Encephalitis/ME bezeichnet) und Long-COVID nachgewiesen. Die Initiativen PHOSP-COVID (Post Hospitalisation), die Krankheitsverläufe nach kritischen und schweren COVID Erkrankungen untersucht, und DecodeME, die Daten von CFS Patient*innen sammelt, planen in Zukunft eine engere Zusammenarbeit, um die Gemeinsamkeiten zu untersuchen und mögliche Ursachen zu erforschen.

Wen betrifft Long-COVID?

Bisher ist noch nicht eindeutig geklärt, warum manche Patient*innen an Long-COVID erkranken. Aktuelle Studien zeigen, dass Long-COVID bei ca. 10% der COVID-19 Erkrankten auftritt.5,6,7 Dabei zeigten sich verschiedene Risikofaktoren gehäuft:
 
Long-COVID Betroffene

* Bei 5 oder mehr Symptomen innerhalb der 1. Woche der akuten COVID-19 Phase steigt die Wahrscheinlichkeit an Long-COVID zu erkranken.

Viele ältere Patient*innen schleppen die Symptome noch lang mit sich herum. Doch auch unter jüngeren Patient*innen ohne Vorerkrankung und mit relativ mildem Verlauf der akuten Phase kann es zu Long-COVID kommen. Eine kürzlich veröffentliche italienische Studie unter Kindern und Jugendlichen zeigte, dass 27% von ihnen auch noch Symptome nach der akuten Phase aufwiesen und sich 43% davon eingeschränkt fühlten.8

Dies verdeutlicht die Dringlichkeit der Thematik und zeigt, wie wichtig Untersuchungen geeigneter Therapien zur Behandlung von Long-COVID sind.

Therapien zur Behandlung von Long-COVID

Gute Anlaufstellen für Long-COVID Patienten sind die sogenannten Post-COVID Ambulanzen. Diese werden fortlaufend weiter ausgebaut. Eine aktuelle Liste in verschiedenen Bundesländern gibt es unter der Long-COVID Website für Österreich.

Je nach Symptomatik existieren verschiedene Therapiemöglichkeiten. Eine erste Einschätzung ist über den Fragenkatalog des AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) möglich. Dort werden die funktionellen Einschränkungen der Patient*innen systematisch in 4 Grade unterteilt. Schon ab leichten Einschränkungen wird eine Therapie (wie z.B. Physikalische Therapien, oder ambulante Rehabilitation) empfohlen1.
 
Fragen-Katalog des AWMF

Durch weitere spezifische Laboruntersuchungen (z.B. Messungen der Entzündungswerte im Blut) können die Patient*innen gezielt an einen Facharzt verwiesen werden, der geeignete medikamentöse Therapien einleiten kann. Viele Patient*innen profitieren vor allem durch die Physikalische Therapie. Beim sogenannten „POTS“ (Postural Orthostatic Tachycardia Syndrome), bei dem es zu plötzlichem Herzrasen und Atemnot kommt, sobald man aus der Ruhe aufsteht oder geht, kann auch schon eine Ernährungsumstellung mit viel Salz und eine Kompression vom Bauchnabel abwärts helfen. 

Nicht zu vergessen ist außerdem die Psychologische Betreuung. Viele Patient*innen leiden sehr unter den Einschränkungen und benötigen eine geeignete psychologische Therapie, oder den Austausch mit anderen Betroffenen. Auch dazu finden Patient*innen auf dieser Website geeignete Gruppen und Hilfsangebote.

Mittlerweile gibt es ein gutes Netzwerk von Anlaufstellen und Hilfsangeboten, sowie ein breites Spektrum von Therapien für spezifische Symptome. Doch vor allem benötigen Long-COVID Betroffene Geduld, Verständnis, und die Gewissheit, ihre Last nicht allein tragen zu müssen.

 

Referenzen:

1. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020-027.html, accessed 26.07.2021
2. Shah et al., BMJ 2021; 372:n136
3. Long-COVID S1 Leitlinie Kurzversion. Stand/Gültigkeit: 7/21; https://oegam.at/artikel/long-covid-leitlinie-s1kurz
4. Lopez-Leon et al., pre-print medRxiv 2021; https://doi.org/10.1101/2021.01.27.21250617 
5. Sudre et al., Nature Medicine 2021; (27):626–631
6. Huang et al., Lancet 2021; 397(10270): 220–232
7. Parums, Med Sci Monit 2021; 27: e933446
8. Buensenso et al., Acta Paediatrica 2021; 110:2208–2211