Ungewöhnlich zähe Körpersekrete, verursacht durch eine Störung im Elektrolythaushalt: Dieses Problem steht im Zentrum bei Zystischer Fibrose, auch Mukoviszidose genannt1. Es handelt sich um eine Systemerkrankung: Atemwege, Leber, Pankreas, Darm und der Reproduktionstrakt können betroffen sein. Die Lebenserwartung ist deutlich reduziert, in Ländern mit sehr guter CF-Versorgung liegt sie derzeit im Mittel bei ca. 40 Jahren1.

Ursache im Erbgut

CF entsteht durch eine Genmutation, die eine Störung der Funktion des so genannten CFTR-Proteins bewirkt. Dieses Protein bildet einen Chlorid-Kanal zahlreicher (sog. exokriner) Drüsen. Durch die Funktionsstörung beinhalten die gebildeten Sekrete zu wenig Wasser und werden zähflüssig1. In Österreich ist eines von ca. 4.000 Neugeborenen betroffen (ca. 20-30 Kinder pro Jahr). Etwa 600 – 800 Patienten leben hierzulande mit CF2.

Die Lunge im Zentrum

Die dominierende Symptomatik liegt im Bereich der Atemwege1. Durch die erhöhte Viskosität des schützenden Flüssigkeitsfilms in den Bronchien können Krankheitserreger nicht so gut bekämpft werden. Das führt zu einer chronischen Entzündung in den Atemwegen und häufigen Infektionen mit Bakterien und Viren1. Das Abhusten des zähen Schleims ist schwierig. Später kommt es zur krankhaften Erweiterung der Bronchien3. Wiederkehrende, akute Verschlechterungen treten auf3; diese sind durch Husten, Atemnot, Abgeschlagenheit und Allgemeinbeschwerden gekennzeichnet3. Das Fortschreiten der Lungenerkrankung stellt bei drei Viertel der Betroffenen die Todesursache dar1. Eine Lungentransplantation kann eine Verlängerung der Lebenserwartung bewirken: 20% der Lungentransplantationen in Deutschland betreffen CF-Patienten1.

Auch andere Organe sind betroffen

Fast alle CF-Patienten leiden an einer Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse, weil das zähe Sekret die Drüsenausgänge verstopft1. Dies führt zu Verdauungsbeschwerden, potenziell bis zur Mangelernährung; zudem kann sich ein Diabetes entwickeln (sog. Typ 3c). Ist auch die Leber betroffen (knapp ein Drittel der Patienten), kann eine Leberzirrhose entstehen1.

Erste Probleme bereits in utero

Etwa 20% der CF-Kinder fallen bereits kurz nach der Geburt aufgrund eines Mekonium-Ileus, also eines Darmverschlusses durch den ersten Stuhl, auf. Diese Komplikation kann sich unter Umständen bereits vor der Geburt bemerkbar machen und entsteht durch mangelnden Wassergehalt des Darminhalts1.

Diagnose meist im Zuge des Neugeborenen-Screenings

Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser – denn desto früher kann man Maßnahmen ergreifen, um möglichst lange eine möglichst gute Lebensqualität zu erhalten. In Österreich wurde bereits in den 1960er-Jahren das Screening für Neugeborene auf eine Reihe schwerwiegender Erkrankungen eingeführt (Österreichisches Früherfassungsprogramm)2. Im Jahr 2017 wurden fast 90.000 Neugeborene untersucht; dabei wurde in 21 Fällen CF diagnostiziert2. Für die endgültige Diagnose muss bei auffälligem Screeningbefund eine Funktionsstörung des CFTR-Proteins nachgewiesen werden. Allerdings kann das Screening trotz bestehender CF manchmal unauffällig sein1.

Symptomatische Behandlung

Die Behandlung von CF erfolgt in spezialisierten Zentren, denn eine interdisziplinäre Betreuung der Patienten durch ein erfahrenes Team ist bei CF von besonderer Bedeutung1. Die Bedürfnisse der Betroffenen verändern sich sehr stark je nach Lebensalter und Organbeteiligung. Erwachsene CF-Patienten müssen anders betreut werden als Kinder. Behandlungsziele sind in erster Linie die altersgerechte Entwicklung (körperlich und psychosozial), insbesondere im Hinblick auf die Lungenfunktion; zudem sollen Organkomplikationen möglichst vermieden werden1.
Für die Atemwege sind vor allem eine Atemtherapie, Maßnahmen zur Verflüssigung des Bronchialsekrets, die Kontrolle von Entzündungen, sowie eine kontinuierliche Überwachung und Bekämpfung von Infektionen von Bedeutung1. Die verminderte Pankreasfunktion wird durch gezielte Gabe von Pankreasenzymen möglichst ausgeglichen, ihre Folgen können mit einer energie- und fettreichen Ernährung und Zufuhr fettlöslicher Vitamine gedämpft werden1. Ein Diabetes kann eine Insulintherapie erfordern. Depression und Angst sind häufige Begleiter von CF-Patienten (und ihren Angehörigen) und bei Bedarf ebenfalls zu behandeln1.
Es gibt Wirkstoffe, die je nach Genmutation eine Behandlung ermöglichen, die näher an der Ursache der Erkrankung liegt. Die Erkrankung bleibt dennoch progredient und kommt nicht zum Stillstand; Verbesserungen von Lungenfunktion oder Lebensqualität wurden jedoch gezeigt1.

Ausblick

Zahlreiche Ansätze zur Behandlung der zystischen Fibrose werden derzeit in klinischen Studien getestet; viele davon zielen auf eine Linderung der Symptome bzw. Verzögerung des Fortschreitens der Erkrankung ab.  Ein weiteres Forschungsfeld ist die Gentherapie, also des Versuchs, das defekte Gen zu „reparieren“1.  Auch Pfizer investiert in diesem Bereich.

Interessanter Link: Cystische Fibrose Hilfe Österreich

 

Quellen:

1 Naehrig S, et al. Mukoviszidose – Diagnose und Therapie. Dtsch Arztebl Int 2017;114:564-74
2 https://www.neugeborenenscreening.at/, letzter Zugriff 14.1.2019
3 Elborn JS. Cystic fibrosis. Lancet 2016;388:2519-31