Hämophilie und andere Gerinnungsstörungen

Allgemeines über Hämophilie und andere Gerinnungsstörungen

Das Blutgerinnungssystem schützt unseren Körper effektiv vor Blutungen und Blutverlusten und sorgt gleichzeitig dafür, dass bereits entstandene Gerinnsel wieder aufgelöst werden. Normalerweise steht dieses System im Gleichgewicht. Störungen in der Blutgerinnung können demnach einerseits zu einer erhöhten Blutungsneigung (hämorrhagische Diathese), als auch zu einer erhöhten Thromboseneigung (Thrombophilie) führen. Die Hämophilie A und B stellen dabei neben dem Willebrand-Jürgens-Syndrom die häufigsten erblich bedingten Blutungsneigungen dar.

Epidemiologie der Hämophilie und anderer Gerinnungsstörungen

Die Hämophilie gehört zu den sogenannten Seltenen Erkrankungen (Rare Diseases bzw. Orphan Diseases). Laut Daten der WHO leiden etwa 400.000 Menschen an dieser Krankheit. Etwa 1 von 10.000 männliche Neugeborenen wird mit Hämophilie A zur Welt gebracht. Die Hämophilie B ist 5-6 Mal seltener – etwa 1 von 50.000 männlichen Neugeborenen ist davon betroffen. Aufgrund des bestimmten Vererbungsmusters der Hämophilie erkranken fast ausschließlich Männer.

Entstehung und Symptomatik der Hämophilie und anderer Gerinnungsstörungen

Neben sichtbaren Wunden, die entstehen, wenn wir uns verletzen, kommt es auch täglich zu kleinen Verletzungen in unseren Gefäßen, die wir gar nicht bemerken. Das Gerinnungssystem unseres Körpers übernimmt dabei die Aufgabe, die Blutung zu stillen, die Wunde abzudichten und schließlich die Wundheilung einzuleiten. Ein wichtiger Bestandteil dieses Systems sind die sogenannten Gerinnungsfaktoren. Dies sind bestimmte körpereigene Proteine, die dafür sorgen, dass sich im Bereich der Verletzung ein stabiler Blutpfropf bildet. Falls einer dieser Gerinnungsfaktoren vollständig fehlt oder nicht ausreichend zur Verfügung steht, kann kein stabiles Blutgerinnsel gebildet werden. Blutungen können somit einerseits länger andauern, als auch kann es zu gefährlichen Blutverlusten kommen. 

Die Hämophilie ist eine Erbkrankheit, bei der aufgrund eines defekten Gens ein Mangel oder ein komplettes Fehlen einer dieser Gerinnungsfaktoren besteht und daraus folglich eine erhöhte Blutungsneigung resultiert. Umgangssprachlich wird sie deshalb auch „Bluterkrankheit“ genannt. Je nachdem, welcher Faktor betroffen ist, spricht man von Hämophilie A (Faktor VIII) oder Hämophilie B (Faktor IX). Die Hämophilie A kommt dabei mit 80-85% deutlich häufiger vor als die Hämophilie B. Das defekte Gen für diese Erkrankungen liegt auf dem X-Chromosom (X-chromosomal-rezessiver Erbgang). Da das X-Chromosom bei Männern nur einfach vorkommt (XY), erkranken auch hauptsächlich diese an Hämophilie. Frauen hingegen besitzen zwei X-Chromosomen (XX), wodurch der Mangel meist durch das zweite gesunde X-Chromosom ausgeglichen werden kann. Frauen erkranken dann zwar nicht, können aber als sogenannte Konduktorinnen das defekte Gen an ihre Kinder weitervererben. In etwa einem Drittel der Fälle kann die Hämophilie auch in gesunden, erblich nicht vorbelasteten Familien auftreten. Man spricht dann von einer sporadischen Hämophilie, da diese aufgrund einer Neumutation auftritt.

Das Schwerebild der Erkrankung ist abhängig davon, ob noch aktive Gerinnungsfaktoren gebildet werden können oder ob diese zur Gänze fehlen. Meist fällt die Blutungsneigung zum ersten Mal zwischen dem 12. und 18. Lebensmonat auf, sobald das Kind zu krabbeln beziehungsweise laufen beginnt. Das häufigste Anzeichen ist dann die erhöhte Neigung zu blauen Flecken und länger dauernden Blutungen nach kleinen Verletzungen. Auch beim Kinderarzt nach Blutabnahmen oder Impfungen können verlängerte Nachblutungen auf eine solche Gerinnungsstörung hindeuten. Im Allgemeinen können Blutungen in allen Körperteilen vorkommen. Am häufigsten betroffen sind jedoch Gelenke und Muskeln. Gelenk- und Muskelblutungen äußern sich vor allem durch Schmerzen, Schwellung, Steifheit, Erwärmung und eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten in der betroffenen Region. In schlimmeren Fällen kann es auch zu Blutungen in inneren Organen und im Gehirn kommen. Diese Blutungen können sowohl durch Verletzungen, als auch spontan auftreten. Da das Symptombild beider Hämophilie-Arten ident ist, müssen zur Differenzierung der beiden  die jeweiligen Gerinnungsfaktoren mittels Laboruntersuchungen bestimmt werden.

Diagnostik der Hämophilie und anderer Gerinnungsstörungen

Die Hämophilie A und B sind sich in ihrem Erscheinungsbild durchaus ähnlich. Da jedoch aufgrund der jeweilig betroffenen Gerinnungsfaktoren die Therapie eine andere ist, müssen die Erkrankungen voneinander differenziert werden können. Bereits bei Verdacht auf eine Gerinnungsstörung sollten die Patienten in ein spezialisiertes Behandlungszentrum überwiesen werden, wo wichtige Laboruntersuchungen durchgeführt werden können und gegebenenfalls direkt eine Therapie begonnen werden kann. Bei der Diagnostik von Gerinnungsstörungen wird in der Regel zunächst der Gerinnungsstatus (PTZ, aPTT, Thrombozytenzahl, etc.) erhoben. Dieser kann bereits Aufschluss über die wichtigsten angeborenen und erworbenen Gerinnungsstörungen geben. Bei der Hämophilie spielt außerdem die Gerinnungsfaktor-Einzelanalyse eine wichtige Rolle, die im Rahmen eines unkomplizierten Bluttests durchgeführt werden kann. Dabei wird die Menge an Gerinnungsfaktoren im Blut nachgewiesen. Je nach Schweregrad der Erkrankung wird anschließend eine adäquate Behandlung begonnen.

Therapie der Hämophilie und anderer Gerinnungsstörungen

Hämophilie ist zwar nicht heilbar, jedoch haben die heutzutage zur Verfügung stehenden Therapieoptionen dazu geführt, dass Hämophilie-Patienten ein mehrheitlich normales Leben führen können und sich die Lebenserwartung nicht von der eines Gesunden unterscheidet. Das Ziel der Behandlung ist es, Blutungen von Vornhinein zu verhindern beziehungsweise im Fall der Fälle diese schnellstmöglich zu stillen. Für die Behandlung der Hämophilie stehen grundsätzlich mehrere Optionen zur Verfügung. Die Wahl der Therapieform wird vor allem in Abhängigkeit der Schwere der Erkrankung und des Alters des Patienten getroffen.

An oberster Stelle der Therapie steht die Substitution des fehlenden Gerinnungsfaktors mit Gerinnungsfaktorkonzentraten. Diese können entweder regelmäßig (als Prophylaxe) oder bei einer akuten Blutung bei Bedarf („On-Demand-Behandlung“) verabreicht werden. Bei Patienten mit einer leichteren Form der Hämophilie A kann der Wirkstoff Desmopressin angewandt werden, welcher zu einem erhöhten Freisetzung des Faktor VIII führt. Bei akuten Schleimhautblutungen (z.B. Nasenbluten) oder vor chirurgischen Eingriffen (z.B. beim Zahnarzt) kann außerdem das Antifibrinolytikum Tranexamsäure eingesetzt werden.

Neben der medikamentösen Therapie haben physiotherapeutische Maßnahmen einen großen Stellenwert in der Behandlung der Hämophilie. Da Gelenk- und Muskelblutungen häufig Folgeschäden mit sich ziehen (z.B. Arthrose, Instabilitäten, usw.), können spezielle Trainings- und Bewegungsprogramme zur Stärkung der Muskulatur und der Gelenke die Lebensqualität deutlich verbessern.

 

Weiterführende Informationen für Laien finden Sie hier: https://www.pfizer.at/gesundheit/seltene-erkrankungen/

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