Thromboseprophylaxe und Thrombosen

Allgemeines über Thrombosen

Unter einer Thrombose versteht man den vollständigen bzw. teilweisen Verschluss eines Gefäßes durch ein Blutgerinnsel. Wenn ein Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene entsteht, spricht man von einer tiefen Venenthrombose (TVT). Wird das Gerinnsel mit dem Blutstrom in die Lunge gespült, entsteht eine Lungenembolie (LE). Die TVT und die LE sind unter dem Begriff venöse Thromboembolie (VTE) zusammengefasst. Die Behandlung und Prophylaxe der VTE ist sehr wichtig, da es sich um teilweise sogar lebensgefährliche Erkrankungen handelt.  

Epidemiologie von Thrombosen

Die jährliche Inzidenz von VTE liegt bei 1-2 pro 1000 Personenjahren. Laut dänischen Registerdaten stieg die Inzidenz in Spitälern im Zeitraum 2006-2015 bei TVT um 12% und bei LE sogar um 74%. Große Fortschritte in der bildgebenden Diagnostik der Lungenembolie könnten zu diesem starken Anstieg beigetragen haben. Genaue Daten zum Auftreten von TVTs und LEs sind allerdings aufgrund der komplexen Diagnosestellung (oft asymptomatisch, misdiagnostiziert oder post mortem nicht identifiziert) nicht einfach zu erheben, weshalb die Inzidenz möglicherweise sogar unterschätzt wird.

VTE tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf und vor allem ab dem 60. Lebensjahr steigt die Häufigkeit stark an. Zwei Drittel aller Betroffenen zeigen dabei eine alleinige tiefe Beinvenenthrombose und ein Drittel erleidet als Komplikation eine Lungenembolie. Insgesamt haben jedoch nur die Hälfte der Patienten Symptome.

Risikofaktoren und Symptomatik der VTE

Die wichtigsten Faktoren für die Entstehung eines Thrombus stellt die sogenannte Virchow-Trias dar. Diese umfasst (1) die Schädigung von Gefäßen, (2) Veränderungen der Strömungsgeschwindigkeit und (3) Veränderungen in der Zusammensetzung des Blutes. Die Ursachen dafür können vielfältig sein und reichen vom natürlichen Alterungsprozess über  vererbte Risikofaktoren bis zu Bettlägerigkeit, Traumata, Immobilisation nach Operationen, immunologischen Erkrankungen, Krebs und vielem mehr.

Thrombosen können prinzipiell in allen Venen des Körpers entstehen, treten jedoch  am häufigsten in den tiefen Bein- und Beckenvenen auf, von wo aus sie in die Lunge transportiert werden können.

Die Symptomatik und das Erscheinungsbild einer TVT können sehr stark variieren.

Es gibt kein typisches Beschwerdebild für das Vorliegen einer Thrombose und auch die Intensität der Symptome schwankt individuell. Mögliche Anzeichen einer TVT sind:

  • Spannungs- oder Schweregefühl in den Beinen
  • Schmerzen
  • Krämpfe
  • Schwellungen oder Rötungen an der betroffenen Stelle.

Auch beim Vorliegen einer Lungenembolie können die Beschwerden differieren:

  • Atembeschwerden
  • schmerzhafte Atmung und das Aushusten von Blut
  • Schwindel
  • Angstgefühl
  • beschleunigter Herzschlag

Sollten Sie eines dieser Symptome bei sich feststellen, wenden Sie sich umgehend an einen Arzt oder rufen Sie die Rettung!

Diagnostik von Thrombosen

Da die Symptome einer VTE für eine gesicherte Diagnose meist zu unspezifisch sind, werden weitere diagnostische Tests herangezogen. Die Methode der 1. Wahl stellt dabei der Ultraschall dar. Falls dieser ebenfalls kein eindeutiges Ergebnis liefert, kann eine sogenannte Phlebographie in Betracht gezogen werden, bei der die Venen mittels eines kontrastmittelverstärkten Röntgens dargestellt werden. Weiters können eine MRT/CT und D-Dimer-Werte des Blutes für die Diagnose herangezogen werden.

Therapie und Prophylaxe von Thrombosen

Beim Vorliegen einer TVT ist das oberste Ziel der Behandlung, eine Lungenembolie zu vermeiden und ein weiteres Wachstum des Thrombus zu verhindern bzw ein Auflösen des Thrombus zu fördern. Dies geschieht allgemein medikamentös mit sogenannten Antikoagulanzien, unterstützend können Maßnahmen wie eine Kompressionsbehandlung (Stützstrümpfe) und Mobilisation eingesetzt werden. Manchmal kann außerdem eine aktive Entfernung des Thrombus mittels einer Thrombektomie („Herausziehen des Thrombus“) oder Thrombolyse („lokales Auflösen des Thrombus“) indiziert sein.

In manchen Situationen, wie etwa bei schweren Traumata, vor oder nach Operationen (Immobilisation), internistischen Erkrankungen (Bettlägerigkeit), malignen Erkrankungen und bei langen Flugreisen, kann eine Thromboseprophylaxe notwendig sein. Diese umfasst alle Maßnahmen, die eine Thrombose vorbeugen. Allgemeine Maßnahmen sind beispielsweise regelmäßiges Aufstehen und Bewegen der Beine bei langen Flugreisen, oder die Frühmobilisation mit Bewegungsübungen und Krankengymnastik nach Operationen. Weitere Möglichkeiten sind physikalische Maßnahmen (z.B. Kompressionsstrümpfe) und die medikamentöse Prophylaxe. Zur Verfügung stehende Medikamente sind beispielsweise Heparine, Fondaparinux, NOAKs und Vitamin-K-Antagonisten.

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