Entstehung und Symptomatik der Hyperprolaktinämie

Prolaktin ist ein laktogenes Hormon, das großteils im Hypophysenvorderlappen in einem zirkadianen Rhythmus mit hohen Spiegeln während des Schlafs gebildet, und vor allem während einer Schwangerschaft vermehrt ausgeschüttet wird. Es fordert die Entwicklung der weiblichen Brustdrüse und die Produktion und Sekretion der Milch. Durch Hemmung der Funktion der Eierstöcke führt es zu einer Unterdrückung des weiblichen Zyklus während der Stillphase. Die Wirkung von Prolaktin beim Mann ist bisher noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass das Hormon synergistisch mit Testosteron wirkt. Ein Mangel bzw. das Fehlen von Prolaktin beim Mann verursacht jedoch keine Symptome.1,2

Als Hyperprolaktinämie bezeichnet man einen Überschuss von Prolaktin im Blut. Diese Erhöhung kann sowohl physiologische, pharmakologische als auch pathologische Ursachen haben.2 Die häufigste physiologische Ursache ist die Schwangerschaft. Weiters können auch Stress und hohe körperliche Belastung erhöhte Prolaktinspiegel bewirken. All jene Prozesse, die morphologisch oder funktionell die Prolaktinsekretion stören können, können zu einer pathologischen Hyperprolaktinämie führen. Dazu gehören unter anderem Raumforderungen der Hypophyse, entzündliche Erkrankungen von Hypothalamus oder Hypophyse, eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und zahlreiche Medikamente, insbesondere Neuroleptika. Die häufigste krankhafte Ursache einer Hyperprolaktinämie ist das sogenannte Prolaktinom, ein gutartiger Tumor der Hypophyse. 

Eine Hyperprolaktinämie kann zu verschiedensten Symptomen führen. Bei prämenopausalen Frauen kommt es meist zu Zyklusstörungen bis hin zum Ausbleiben der Menstruation, zur Abnahme der Libido und zu übermäßigem Haarwuchs (Hirsuitismus). Postmenopausale Frauen bemerken zumeist verminderte bzw. ausbleibende Hitzewallungen. Bei Männern führt eine Hyperprolaktinämie meist zur Abnahme von Libido und Potenz bis hin zur Impotenz und Infertilität. Bei langandauernder Hyperprolaktinämie kann es außerdem bei beiden Geschlechtern zum Austritt von milchiger Flüssigkeit aus den Brustdrüsen und zu Osteoporose kommen. Ist ein Prolaktinom für die Erkrankung verantwortlich, stehen - je nach Tumorgröße – vor allem auch die Folgen der Raumforderung im Vordergrund der Symptomatik (Gesichtsfeldeinschränkungen, Kopfschmerzen, etc.). 

Epidemiologie der Hyperprolaktinämie 

Eine Hyperprolaktinämie tritt bei weniger als 1 % der Bevölkerung auf. Die häufigste pathologische Ursache für einen erhöhten Prolaktinspiegel, das Prolaktinom, ist gleichzeitig der häufigste hormonproduzierende Hypophysen Tumor des Menschen Die Prävalenz von symptomatischen Mikro-und Makroprolaktinomen beträgt etwa 50 pro 100.000 Personen.  Frauen sind dabei drei Mal  häufiger betroffen als Männer, vor allem vor der Menopause. Die meisten Prolaktinome findet man bei Personen zwischen dem 20. und 4O. Lebensjahr.2,4

Diagnostik der Hyperprolaktinämie

Der wesentlichste Schritt bei Verdacht auf eine Hyperprolaktinämie nach ausführlicher Anamnese und körperlicher Untersuchung ist die Bestimmung des Prolaktinspiegels im Blut. Bei deutlich erhöhten Werten kann mit Hilfe einer MRT abgeklärt werden, ob es sich um ein Prolaktinom als Ursache handelt oder nicht. Da eine Hyperprolaktinämie auch selbst ein Symptom bzw. eine Begleiterscheinung anderer Erkrankungen (z.B. Schilddruse, Nebenniere. etc.) sein kann, können Tests dieser Organe ebenso aufschlussreich sein. Eventuelle medikamentöse Ursachen können im Anamnesegespräch erkannt werden.2,3,4

Therapie der Hyperprolaktinämie

Die Therapie der Hyperprolaktinämie richtet sich nach der Ursache der Erkrankung. Beruhen die erhöhten Prolaktinwerte auf einer anderen Erkrankung, steht deren Behandlung im Vordergrund. Bei einer Hyperprolaktinämie als Medikamentennebenwirkung sollten deren Dosis wenn möglich reduziert oder auf ein anderes Präparat umgestiegen werden. Bei einem Prolaktinom stehen grundsätzlich 3 Therapieoptionen zur Verfügung: die medikamentöse Behandlung, ein operativer Eingriff oder eine Strahlentherapie. Üblicherweise werden dabei zuerst Medikamente eingesetzt (sogenannte Dopaminagonisten wie z.B. Cabergolin), da diese nicht nur zur Normalisierung des Prolaktinspiegels, sondern in der Mehrheit der Fälle auch zum Schrumpfen bis hin zum kompletten Verschwinden des Prolaktinoms führen. Ist eine medikamentöse Therapie erfolgslos, kann eine Operation oder Strahlentherapie erforderlich sein.2,3,4

 

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Referenzen: 
1 Prolaktin - DocCheck Flexikon (abgerufen am 11.11.2021)
2 Rabe T. et al., Prolaktin und Hyperprolaktinämie - Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) e.V.; Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2013; 10 (2): 101-128
3 Samperi I. et al., “Hyperprolactinaemia.” Journal of clinical medicine vol. 8,12 2203. 13 Dec. 2019
4 Chanson P. & Maiter D., The epidemiology, diagnosis and treatment of Prolactinomas: The old and the new. Best Pract Res Clin Endocrinol Metab. 2019 Apr;33(2):101290