Arthroseschmerz

   

 

Definition1

Arthrose (Osteoarthrose) ist eine Erkrankung der beweglichen Gelenke. Mikro- und Makroverletzungen aktivieren fehlangepasste Reparaturmechanismen, einschließlich pro-inflammatorische Signalwege des angeborenen Immunsystems, und bedingen dadurch zellulären Stress und extrazellulären Matrixabbau. Die Arthrose manifestiert sich zuerst als molekulares Ungleichgewicht (abnormer Gelenksgewebestoffwechsel), gefolgt von anatomischen und/oder physiologischen Störungen (gekennzeichnet durch Knorpelabbau, Knochenumbau, Osteophytenbildung, Gelenkentzündung und Verlust der normalen Gelenkfunktion), die letztlich im klinischen Krankheitsbild gipfeln können. 

Pathophysiologie

Arthrose ist keine reine passive Verschleißerkrankung, sondern eine aktive Erkrankung des gesamten Gelenks – der Synovialis, des Gelenkknorpels und der Knochen:

  • Knorpeldestruktion – Verlust an Kollagen und Proteoglycanen führt zu einem Ungleichgewicht in der extrazellulären Matrix
  • Entzündung der Synovialis – führt zu Schwellungen, Gelenksergüssen und Gelenksversteifung
  • Knochenabnormalitäten – Bildung von Osteophyten, Knochenmarksläsionen, subchondralen Zysten, Verdickung des subchondralen Knochens

In allen 3 beteiligten Geweben werden pro-inflammatorische Zytokine freigesetzt, die zu weiterer Knorpeldegradierung und Progression der Erkrankung beitragen. 

Pathologie am Beispiel der Gonarthrose2

Arthrose vs. gesundes Kniegelenk

 

Auswahl möglicher Symptome2,3

Frühe Symptome  Späte Symptome  Aktivierte Arthrose
  • Anlaufschmerz
  • Ermüdungsschmerz
  • Belastungsschmerz
  • Endphasenschmerz 
  • Schmerzausstrahlung: z.B. Knieschmerzen bei Koxarthrose
  • Dauerschmerz
  • Nachtschmerz
  • Bewegungseinschränkung
  • Entzündliche Episoden des Gelenks
  • Kardinalzeichen der Entzündung (Rubor, Calor, Tumor, Dolor, Functio laesa)

 

Diagnose2,3

Es gibt kein singuläres Kriterium, um Arthrose diagnostizieren zu können. Die Diagnose erfolgt aufgrund der Patientengeschichte, klinischer Anamnese, ggf. Bildgebung, Risikofaktoren und Labortests zum Ausschluss anderer Erkrankungen. Klinische Symptome können, müssen aber nicht mit der Bildgebung korrelieren! 

Hier finden Sie eine Auswahl an Diagnosetools

Arthrosegrad Radiologischer Befund
0: keine Arthrose Normalbefund
1: fragliche Arthrose zweifelhafte Abnahme der Gelenkspaltweite, diskrete/fragliche Osteophyten ("osteophytic lipping")
2: minimale Arthrose definitiver Osteophytennachweis, mögliche Verminderung der Gelenkspaltweite
3: moderate Arthrose multiple Osteophyten, verminderte Gelenkspaltweite, geringe bis mäßige subchondrale Sklerose, mögliche Deformität der gelenkbildenden Knochenanteile
4: schwere Arthrose große Osteophytenbildungen, fortgeschrittene Verminderung der Gelenkspaltweite, schwere subchondrale Sklerose, Deformität der gelenkbildenden Knochenanteile

(Quelle: Kellgren-Lawrence-Score - DocCheck Flexikon) 

Behandlung

Die Behandlung der Arthrose erfolgt je nach Lokalisation, Ausmaß der Gelenksschädigung und klinischem Bild mit physiotherapeutischen, pharmakologischen und/oder chirurgischen Maßnahmen.

Hier finden Sie eine Auswahl an aktuellen Leitlinien:

 

Quellen
1.  Standardization of Osteoarthritis Definitions | Osteoarthritis Research Society International (OARSI) (abgerufen am 24.06.2021)
2.  Arthrose - Rheumaliga Schweiz (abgerufen am 24.06.2021)
3.  Arthrose - AMBOSS (abgerufen am 24.06.2021)
4.  Kellgren; Lawrence: Radiological assessment of osteo-arthrosis In: Annals of the rheumatic diseases. Band: 16, Nummer: 4, 1957, p. 494-502.
3.  DocCheck Flexicon, Kellgren Lawrence Score. (letzter Zugriff Juni 2021)