Nozizeptiver Schmerz

Dem nozizeptiven Schmerz auf der Spur…

1. Epidemiologie1

Eine europäische Studie mit über 46.000 Erwachsenen aus 16 Ländern hat ergeben, dass 20-50% der chronischen Schmerzen von mittlerer bis schwerer Intensität sind, was sich auf die täglichen Aufgaben, auf das Sozial- sowie auf das Arbeitsleben auswirkt. Einige Betroffene leiden sogar aufgrund ihrer Schmerzen an Depressionen.

2. Definition nozizeptiver Schmerz

Nozizeptiver Schmerz:

  • entsteht durch Stimulation der Schmerzbahn: ausgelöst durch chemische, mechanische oder thermische Stimuli
  • nachfolgend kommt es zur Gewebsschädigung und Freisetzung von Mediatorsubstanzen

Was sind nozizeptive Schmerzen?2,3

  • Sensorische Wahrnehmungen, die auftreten, wenn spezifische periphere sensorische Neurone (Nozizeptoren) auf noxische Stimuli reagieren.
  • In der Regel treten die Schmerzen lokalisiert an der Verletzungsstelle auf; häufig werden sie als Klopfen, Stechen oder Steifheit beschrieben.
  • Meist sind sie zeitlich limitiert und verschwinden, wenn das geschädigte Gewebe verheilt (z.B. Knochenbrüche, Verbrennungen und Prellungen).
  • Sie können auch chronisch sein (z.B. Osteoarthritis)
  • Sie sprechen auf konventionelle Analgetika an

3. Schmerz-Physiologie: Nozizeptiver Schmerz4

  • Peripheres und zentrales nozizeptives Neuron sind intakt.
  • Die Schmerzwahrnehmung wird an den Nozizeptoren ausgelöst, welche sich in Haut, Muskulatur, Sehnen, Gelenken und viszeralen Organen befinden.
  • Nozizeptoren sind empfänglich für Reize; z.B. thermische, mechanische oder chemische Reize.
  • Es wird je nach Lokalisation zwischen somatischen (Knochen, Gelenke, Muskeln und Haut) und viszeralen Schmerzen (innere Organe) unterschieden.
  • Von den Nozizeptoren wird die Erregung über dünne, langsam leitende unmyelinisierte C-Fasern und /oder dünne, schnell leitende myelinisierte Aδ-Fasern zu den Hinterhörnern des Rückenmarks geleitet (erstes Neuron). Dort wird der Impuls in Synapsen umgeschaltet und über die aufsteigenden Bahnen des Rückenmarks (zweites Neuron) über Stammhirn und Thalamus zum Kortex weitergeleitet, wo die Verarbeitung dieser Impulse mit dem Ergebnis der Schmerzwahrnehmung (kognitiv und emotional) stattfindet.
  • Der nozizeptive Schmerz schützt den Körper vor schädigenden Noxen und übt somit eine physiologische Funktion aus.
  • Beispiele für nozizeptive Schmerzen sind Schmerzen durch Hautverletzungen, Frakturen, Zahnschmerzen, Gelenkserkrankungen, Myokardinfarkt, Kolitis oder Pankreatitis.
  • Der nozizeptive Schmerz besteht typischerweise so lange, wie ein Reiz auf die Nozizeptoren einwirkt, die Gewebsumgebung verändert ist (z.B. bei einer Entzündung) oder eine vorübergehende Veränderung der Reizempfindlichkeit (Sensibilisierung) vorliegt (z.B. mechanische Hyperalgesie um eine Wunde).
  • Bei chronischer Einwirkung von Reizen auf das nozizeptive System kann es zu reversiblen funktionell-plastischen Veränderungen der peripheren und zentralen Nerven kommen.

Akuter vs. chronischer Schmerz5

Der Schmerz lässt sich einteilen in akuten Schmerz und chronischen Schmerz, abhängig von der Dauer. Der akute Schmerz wird durch eine erkennbare Ursache ausgelöst (z.B. Krankheit, Operation, Gewebeschaden) und tritt plötzlich auf, ist stark und dauert nicht länger als 3 Monate an.
Chronischer Schmerz kann auch unabhängig von einer Verletzung auftreten und kann lange nachdem das Trauma nachgelassen hat andauern. Typischerweise hält der Schmerz länger als 3 Monate an und schränkt die  Lebensqualität des Patienten ein.

Therapie nozizeptiver Schmerz6-7

Die World Health Organisation (WHO) hat einen schrittweisen Ansatz zur Behandlung von Patienten mit Tumorschmerzen entwickelt. Dieses Stufenschema legt je nach Intensität der Schmerzen die entsprechende Therapie fest, wobei eine gewisse Flexibilität bezüglich der Verordnung von Schmerzmittel gegeben ist.

Quellen

Breivik H et al. Survey of chronic pain in Europe: Prevalence, impact on daily life, and treatment. Eur J Pain. 2006;10(4):287–333.
McMahon SB and Koltzenburg M. Wall and Melzack‘s Textbook of Pain. 5. Aufl. London: Elsevier; 2006, Seiten 235, 471, 906, 1020, 1099.
Felson DT. Developments in the clinical understanding of osteoarthritis. Arthritis Res Ther 2009;11:203.
Ärztemagazin Sonderdruck 2014, Mixed Pain: Kombinierte Therapie gegen den Schmerz.
Koo PJ, The pain continuum, from acute to chronic pain management, Adv Stud Pharm. 2009;6(4):94-99.
WHO Stufenschema Schmerz; Stand 08.03.2017.
SIGN Guideline on Management of Chronic Pain accessed: http://sign.ac.uk/guidelines/fulltext/136/section5.html

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