Nozizeptiver Schmerz

  

Definition nozizeptiver Schmerzen1

Schmerzen, die aus einer tatsächlichen oder drohenden Schädigung von nicht-neuronalem Gewebe entstehen und auf die Aktivierung von Nozizeptoren zurückzuführen sind. 

  • Sensorische Wahrnehmungen, die auftreten, wenn spezifische periphere sensorische Neuronen (Nozizeptoren) auf thermische, mechanische oder chemische Noxen reagieren.
  • In der Regel treten die Schmerzen lokalisiert an der Verletzungsstelle auf; häufig werden sie als Klopfen, Stechen oder Steifheit beschrieben.
  • Meist sind sie zeitlich limitiert und verschwinden, wenn das geschädigte Gewebe verheilt ist (z.B. Knochenbrüche, Verbrennungen und Prellungen).
  • Sie können jedoch auch chronisch werden (z.B. bei Arthrose).
  • Sie sprechen auf konventionelle Analgetika an.
     

Pathophysiologie des nozizeptiven Schmerzes2,3,4

  • Peripheres und zentrales nozizeptives Neuron sind intakt.
  • Die Schmerzwahrnehmung wird an den Nozizeptoren ausgelöst, welche sich in Haut, Muskulatur, Sehnen, Gelenken und viszeralen Organen befinden.
  • Nozizeptoren sind empfänglich für z.B. thermische, mechanische oder chemische Reize.
  • Es wird je nach Lokalisation zwischen somatischen (Knochen, Gelenke, Muskeln und Haut) und viszeralen Schmerzen (innere Organe) unterschieden.
  • Von den Nozizeptoren wird die Erregung über dünne, langsam leitende unmyelinisierte C-Fasern und / oder dicke, schnell leitende myelinisierte Aδ-Fasern zu den Hinterhörnern des Rückenmarks geleitet (erstes Neuron). Dort wird der Impuls in Synapsen umgeschaltet und über die aufsteigenden Bahnen des Rückenmarks (zweites Neuron) über Stammhirn und Thalamus zum Kortex weitergeleitet, wo die Verarbeitung dieser Impulse mit dem Ergebnis der Schmerzwahrnehmung (kognitiv und emotional) stattfindet.
  • Der akute nozizeptive Schmerz schützt den Körper vor schädigenden Noxen und übt somit eine physiologische Funktion aus.
  • Beispiele für nozizeptive Schmerzen sind Schmerzen durch Hautverletzungen, Frakturen, Zahnschmerzen, Gelenkserkrankungen, Myokardinfarkt, Kolitis oder Pankreatitis.
  • Der akute nozizeptive Schmerz besteht typischerweise so lange, wie ein Reiz auf die Nozizeptoren einwirkt, die Gewebsumgebung verändert ist (z.B. bei einer Entzündung) oder eine vorübergehende Veränderung der Reizempfindlichkeit (Sensibilisierung) vorliegt (z.B. mechanische Hyperalgesie um eine Wunde).
  • Bei chronischer Einwirkung von Reizen auf das nozizeptive System kann es zu funktionell-plastischen Veränderungen der peripheren und zentralen Nerven kommen.

     

    Quellen
    1.    IASP Terminology - IASP (iasp-pain.org) (abgerufen am 24.06.2021)
    2.    Nozizeptives System - AMBOSS (abgerufen am 24.06.2021)
    3.    Bonezzi C, Fornasari D, Cricelli C, Magni A, Ventriglia G. Not All Pain is Created Equal: Basic Definitions and Diagnostic Work-Up. Pain Ther. 2020 Dec;9(Suppl 1):1-15. doi: 10.1007/s40122-020-00217-w. Epub 2020 Dec 14. PMID: 33315206; PMCID: PMC7736598.
    4.    Pain: Current Understanding of Assessment, Management, and Treatments (npcnow.org) (abgerufen am 24.06.2021)