Bronchialkarzinome

Allgemeines

Das Bronchialkarzinom (auch Lungenkrebs, Lungenkarzinom) ist eine bösartige Neubildung, die von der Schleimhaut der Bronchien oder Bronchiolen ausgeht. Neben dem Brust- und Prostatakrebs ist es eine der häufigsten Krebserkrankungen weltweit und für mehr Todesfälle verantwortlich als jede andere Krebsart (19% aller Krebstodesfälle). Im Jahr 2015 starben ingesamt 1,69 Millionen Menschen an Lungenkrebs.

Epidemiologie und Entstehung

In Österreich erkrankten 2015 2.956 Männer und 1.904 Frauen an Lungenkrebs. Damit stellt das Bronchialkarzinom hierzulande mit insgesamt 12% aller Krebsneuerkrankungen die zweithäufigste Krebserkrankung sowohl bei Männern, als auch bei Frauen dar (nach dem Prostata- bzw. Mammakarzinom). Am häufigsten wird die Diagnose im Alter zwischen 65 und 74 gestellt, wobei mehr als die Hälfte der Tumore beim Zeitpunkt der Diagnose bereits die Organgrenzen durchbrochen hat. Die 1-Jahres-Überlebensrate lag im Zeitraum zwischen 2013-2015 bei etwa 50%, die 5-Jahres-Überlebensrate hingegen bei nur 19%.

Der häufigste Auslöser der Erkrankung ist das Rauchen. Eine europäische Studie zeigte, dass rauchende Männer ein 24-fach und rauchende Frauen ein 8-fach erhöhtes Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken, als Nichtraucher. Die steigende Lungenkrebsinzidenz während des 20. Jahrhunderts steht in direktem Zusammenhang mit dem Rauchen und hatte zwischen 1985 und 1990 ihren Höhepunkt. In den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts ging die Zahl der männlichen Raucher und somit auch die Krebsfälle leicht zurück, bei Frauen hingegen steigt die Inzidenz weiter an. Weitere wissenschaftlich nachgewiesene Risikofaktoren sind außerdem industrielle Schadstoffemissionen, Autoabgase, Radon, ionisierende Strahlung und die berufliche Exposition gegenüber bestimmten Lungenkarzinogenen (Asbest, Chrom, Arsen, u.v.m.).

Histologie und Symptomatik des Bronchialkarzinoms

Histologisch kann man vier verschiedene Arten von Bronchialkarzinomen unterscheiden. Das kleinzellige Bronchialkarzinom, das Plattenepithelkarzinom, das Adenokarzinom und das großzellige Bronchialkarzinom. Da sich die Therapie der drei letztgenannten ähnelt, werden sie unter nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome zusammengefasst. Kleinzellige Bronchialkarzinome sind zumeist aggressiver und können zum Zeitpunkt der Diagnose kaum mehr reseziert werden. Sie machen insgesamt ca. 20 % aller Lungenkarzinome aus, während nicht-kleinzellige Karzinome mit ca. 75-80 % den überwiegenden Anteil darstellen. Unter den nicht-kleinzelligen Karzinomen werden Adenokarzinome mit Abstand am häufigsten diagnostiziert (ca. 45 %).

Das große Problem beim Bronchialkarzinom besteht darin, dass es im Frühstadium kaum Beschwerden hervorruft. Es wird deshalb meist erst in einem relativ weit fortgeschrittenem und nicht heilbarem Stadium entdeckt. Oft stellt Husten das einzige Symptom dar, wobei vor allem Raucher an chronischen Husten gewöhnt sind und eventuelle Veränderungen des Hustens erst spät bemerken. Weiters kann es zur Kurzatmigkeit bzw. Atemnot, Bluthusten (Hämoptyse), Brustschmerzen und Infektionen der Atemwege bzw. Lungenentzündungen kommen. Etwa ein Drittel der Symptome wird durch den Primärtumor direkt verursacht, ein Drittel sind systemische Symptome (Gewichtsverlust, Schwächegefühl) und das letzte Drittel sind Symptome aufgrund von Metastasen. Metastasen treten bevorzugt im Knochen, in der Leber, den Nebennieren, angrenzenden Lymphknoten und im Gehirn auf und können daher zum Beispiel zu Veränderungen der Knochen, zum Verlust von Nervenfunktionen (Taubheitsgefühl, Kribbeln) oder zu Kopfschmerzen führen.

Diagnostik des Bronchialkarzinoms

Bei Verdacht auf Lungenkrebs wird zunächst ein Thoraxröntgen veranlasst, in welchem sich ein Lungenkarzinom oft als Raumforderung zeigt. Zur selben Zeit kann das Blut des Patienten Hinweise auf eine Erkrankung geben. Anschließend ist ein kontrastmittelverstärktes CT oder MRT des Thorax und Abdomens indiziert, um die Ausdehnung des Tumors und eventuelle Metastasen beurteilen zu können. Auch ein CT/MRT des Zentralnervensystems, ein Ultraschall des Abdomens und eine Knochenszintigraphie können bei der Suche nach Metastasen hilfreich sein. Die Diagnose muss letztendlich durch eine Untersuchung des Tumorgewebes gesichert werden. Tumorgewebe kann während einer Bronchoskopie, thransthorakal durch Bildgebung gesteuert oder während einer Resektion des Primärtumors oder einer Metastase gewonnen werden. Außerdem kann auch der abgehustete Auswurf mikroskopisch auf Tumorzellen untersucht werden (Sputum-Zytologie).

Als wichtigste Präventionsmaßnahme gilt es vor allem, Tabakrauchen zu vermeiden oder zu beenden, Passivrauchexposition zu minimieren und die gesetzlichen Arbeitsschutzvorschriften einzuhalten. Da vor allem die späte Erstdiagnose von Lungenkrebs für die hohe Mortalität mitverantwortlich ist, ist die Notwendigkeit eines geeigneten Früherkennungsprogramms unumstritten. Aufgrund einer ungünstigen Nutzen-Risiko-Relation kann jedoch bisher kein Programm empfohlen werden. 

Therapie des Bronchialkarzinoms

Für die Therapie von Lungenkrebs stehen je nach Stadium des Tumors eine Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie oder zielgerichtete systemische Therapien zur Verfügung. Da das kleinzellige Lungenkarzinom leider meist in sehr späten Stadien (extensive disease) diagnostiziert wird und die Prognose daher eher schlecht ausfällt, besteht die zentrale Therapiemaßnahme in einer palliativen Chemotherapie mit gegebenenfalls kombinierter Bestrahlung. Unbehandelt beträgt die mittlere Überlebenszeit unter 3 Monaten, mit Hilfe angemessener therapeutischer Strategien kann das Überleben bei Metastasierung auf 8-12 Monate und bei begrenzter Erkrankung (limited disease) auf 14-20 Monate verlängert werden.

Bei nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen kommen primär eine Operation und je nach Stadium auch eine Strahlen- bzw. Chemotherapie sowie zielgerichtete systemische Therapien als Therapieoption in Frage. In frühen Stadien können mit einer Operation sogar kurative Ansätze verfolgt werden. Die postoperative 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei Stadium-IA-Patienten bei 69-89%. Während früher eine chirurgische Eröffnung des Thorax erfolgen musste (Thorakotomie), können heutzutage immer häufiger minimal-invasive Techniken wie VATS (videoassistierte thorakoskopische Operationstechnik) eingesetzt werden. Manchmal kann es außerdem hilfreich sein, vor der OP eine Chemo- oder Strahlentherapie durchzuführen, um den Tumor präoperativ zu verkleinern. Im fortgeschrittenem Stadium kommen ebenfalls Strahlen- und/oder Chemotherapie sowie zielgerichtete systemische Therapien zum Einsatz.

In den vergangenen 10 Jahren konnten bedeutende Fortschritte bei der Identifizierung bestimmter genetischer Veränderungen erzielt werden, die charakteristisch für einige Subtypen von nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen sind (z.B. EGFR, ALK, ROS1). Dies bietet nun die Möglichkeit, mittels sogenannter Tyrosinkinase-Inhibitoren die Therapie für viele Patienten noch individueller zu gestalten (personalisierte Medizin). Zudem sind seit Ende 2015 auch monoklonale Antikörper gegen PD-L1/PD-1 zur Therapie des nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms in Verwendung.

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