Allgemeines über das Mammakarzinom

Das Mammakarzinom (Brustkrebs) ist eine bösartige Neubildung des Brustdrüsengewebes. Es ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Je früher ein Tumor in der Brust entdeckt wird, desto besser ist die Prognose der Erkrankung. Durch eine bessere Früherkennung (Mammographie-Screening) und neue gezieltere Therapieoptionen stieg die Heilungsrate in den vergangenen Jahren an. Nicht selten sind rechtzeitig erkannte und frühzeitig behandelte Mammakarzinome zu heutigen Zeiten heilbar.

Epidemiologie des Mammakarzinoms

Brustkrebs war 2016 in Österreich mit 5.646 Neuerkrankungen (29%) die häufigste Krebserkrankungen und gleichzeitig die häufigste Krebstodesursache (17%) bei Frauen. In den vergangenen zehn Jahren war die Inzidenz leicht steigend, jedoch konnte die Erkrankung aufgrund verbesserter Vorsorgeuntersuchungen auch öfters in einem früheren Stadium diagnostiziert und dadurch deren Heilungschancen verbessert werden. Rund die Hälfte aller Tumore konnte in frühzeitigen Stadien entdeckt werden. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate stieg im Zeitraum von 1999-2003 bis 2009-2013 von 83% auf 87%. Frauen wiesen ein etwas höheres 5-Jahres-Überleben als Männer auf (87% bzw. 78%). Selten wurde Brustkrebs unter dem 40. Lebensjahr diagnostiziert, ab diesem Zeitpunkt steigt die Inzidenz mit höherem Alter.

Entstehung und Symptomatik von Brustkrebs

Die weibliche Brust (Mamma) besteht aus Drüsen-, Binde- und Fettgewebe. Der Drüsenkörper setzt sich aus mehreren Läppchen (Lobuli) zusammen, welche für die Produktion von Milch zuständig sind und diese in die Drüsengänge (Ducti) abgeben. Darüber gelangt die Milch schließlich bis zur Brustwarze. Die zwei Haupttypen von Mammakarzinomen gehen entweder von den Drüsenläppchen (lobuläres Mammakarzinom) oder von den Milchgängen (duktales Karzinom) aus. Das invasive duktale Karzinom ist mit 64% die häufigste Brustkrebsart, gefolgt vom invasiven lobulären Karzinom (12%).

Wie bei den meisten anderen Krebsarten sind die genauen Auslöser von Brustkrebs nicht bekannt. Allerdings sind eine Reihe von Risikofaktoren damit assoziierbar. Da in westlichen Ländern Brustkrebs etwa 5-mal häufiger auftritt, als in asiatischen und afrikanischen Ländern, ist anzunehmen, dass Umwelt- und gesellschaftliche Faktoren (z.B. Ernährung) eine wichtigere Rolle bei der Entstehung spielen als ethnische oder genetische. Nur etwa 10% aller Brustkrebsfälle sind familiär bedingt, wobei etwa zwei Drittel davon durch Mutationen im BRCA-Gen bedingt sind. Der wichtigste Risikofaktor ist jedoch das fortgeschrittene Alter. Andere assoziierte Faktoren sind jenes Alter, in dem eine Frau ihr erstes Kind bekommen hat und jenes zum Zeitpunkt der ersten Menstruation und der Menopause. Östrogenhaltige Medikamente zur Linderung von Wechselbeschwerden erhöhen ebenso das Brustkrebsrisiko. Außerdem stehen Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und eine Ernährung, die reich an tierischen Fetten ist, im Verdacht, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen.

Mammakarzinome werden in vielen Fällen als erstes von der Frau selbst als nicht schmerzhafter Knoten in der Brust entdeckt, welcher sich meist im oberen äußeren Viertel der Brust befindet. Weitere Anzeichen können eine gerötete Brustwarze, eine Einziehung der Brustwarze, Falten oder geschwürartige Veränderungen der Haut (Orangenhaut), eine einseitige Veränderung der Brustgröße oder auch Austritt von Blut oder Flüssigkeit aus den Brustwarzen sein.

Diagnostik des Mammakarzinoms

Die wichtigste Maßnahme zur Früherkennung eines Mammakarzinoms bilden die Vorsorgeuntersuchungen, zu denen neben der Mammographie die regelmäßige Brustselbstuntersuchung und die klinische Brustuntersuchung durch den Arzt gehören. Die Mammographie, welche bei Frauen über 50 alle 2 Jahre empfohlen wird, ist die einzige Methode, die nachweislich die Brustkrebsmortalität senkt. Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr sollte daher empfohlen werden, am Nationalen Mammographie Screening Programm teilzunehmen.

Falls eine dieser Untersuchungen einen auffälligen Befund ergibt, werden weitere bildgebende Verfahren zur Diagnostik herangezogen, wie zum Beispiel eine Sonographie oder eine MRT. Bei Verdacht auf Metastasen, welche bevorzugt in der Lunge, der Leber und in den Knochen vorkommen, kann außerdem ein Ganzkörperstaging im Rahmen eines CTs und einer Skelettszintigraphie durchgeführt werden. Die Sicherung der Diagnose kann allerdings nur durch eine Gewebeprobe erfolgen, die meist mittels einer Stanzbiopsie unter örtlicher Betäubung entnommen wird. Falls dabei Brustkrebs diagnostiziert wird, kann das Biopsat gleichzeitig auf bestimmte Charakteristika (Hormonrezeptorstatus, HER2-2/neu-Status) untersucht werden, um die am besten geeignete Therapie zu evaluieren. 

Therapie des Mammakarzinoms

Die Auswahl der Therapie des Mammakarzinoms hängt sehr stark von der Größe, vom Stadium und vom Hormonrezeptorstatus des Tumors ab.

Wenn das Mammakarzinom in einem frühen Stadium entdeckt wurde, ist die chirurgische Entfernung des Tumors notwendig. In vielen Fällen kann nur der Tumor selbst bzw. das tumortragende Brustsegment entfernt und die restliche Brust erhalten werden. Eine Mastektomie (Entfernung der Brust) muss nur in selteneren Fällen durchgeführt werden, etwa wenn der Tumor nur unvollständig entfernt werden kann. Um während der Operation bestimmen zu können, wie weit sich der Tumor bereits ausgebreitet hat, wird eine sogenannte Sentinel-Lymphknotenbiopsie durchgeführt. Dabei wird der Lymphknoten, der dem Lymphabflussgebiet des Tumors am nächsten liegt, entfernt und auf Tumorzellen untersucht. Werden dabei keine gefunden, müssen auch keine weiteren Lymphknoten entnommen werden. Im Anschluss an die Operation kann je nach individuellem Risikoprofil eine adjuvante Bestrahlung oder systemische Therapie erfolgen, um gegebenenfalls Metastasen zu behandeln und das Risiko eines Rezidivs so niedrig wie möglich zu halten.

Ob nach der Operation/Strahlentherapie eine adjuvante systemische Therapie (antihormonelle Therapie, Chemotherapie, Antikörpertherapie) notwendig ist, muss individuell entschieden werden. Einerseits hängt dies von den Eigenschaften des Tumors wie dessen Größe, Lymphknotenstatus, Grading, Hormon- und HER2-Status ab, andererseits auch von der Patientin selbst (Menopausenstatus, Alter). Wenn eine Chemotherapie indiziert ist, umfasst diese meist 6 Zyklen. Im Falle einer HER2/neu-Überexpression kann außerdem eine gleichzeitige zielgerichtete Behandlung mit einer Anti-HER2-Therapie (monoklonale Antikörper) erfolgen. Einige Mammakarzinome werden durch Hormone in ihrem Wachstum gefördert. Falls bei der Biopsie bestimmt wurde, dass der Tumor Hormonrezeptor-positiv ist, sollte eine adjuvante antihormonelle Therapie mit einem Aromatasehemmer oder einem Antiöstrogen für mindestens fünf Jahre erfolgen. Bei Patientinnen, dich sich noch nicht in der Menopause befinden, muss zusätzlich zur Gabe eines Aromataseinhibitors die Hormonproduktion der Eierstöcke entweder mittels sogenannter GnRH-Analoga oder bilateraler Ovarektomie ausgeschaltet werden.
Wird Brustkrebs erst zu einem Zeitpunkt diagnostiziert, bei dem sich die Erkrankung bereits in andere Organe des Körpers ausgebreitet hat oder kommt es nach einer frühen Brustkrebserkrankung trotz Operation und Nachbehandlung zu einem Wiederauftreten der Erkrankung mit Tochtergeschwülsten (Metastasen) in anderen Teilen des Körpers, spricht man von metastasiertem Brustkrebs.

Heute steht eine Vielzahl wirksamer Therapiemöglichkeiten für metastasierten Brustkrebs zur Verfügung. Zu den Standardtherapien gehören Antihormontherapie gegebenenfalls in Kombination mit CDK4/6 Inhibitoren, Chemotherapie, zielgerichtete Therapie und Bestrahlung, wobei die Wahl der geeigneten Therapieform wieder von der Charakterisierung der jeweiligen Brustkrebserkrankung abhängt. Ziel der Behandlung ist es, die Erkrankung in Schach zu halten und zu verhindern, dass sich der Krebs weiter ausbreitet. Die durch Metastasen verursachten Schmerzen sollen so weit wie möglich verringert werden, um eine bestmögliche Lebensqualität zu erhalten.

 

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