Allgemeines über das Neuroblastom

Neuroblastome sind maligne Neubildungen, die aus entarteten, noch unreifen Zellen des sympathischen Nervensystems entstehen. Da sie zu der Gruppe der embryonalen Tumoren gehören, treten sie meist im frühen Kindesalter auf. Die klinischen Verläufe dieser Krebserkrankung reichen von spontanen Remissionen ohne jegliche Intervention bis hin zur unkontrollierten Progression trotz maximaler Therapie und stellen daher sowohl für Ärzte, als auch für Forscher eine große Herausforderung dar.

Epidemiologie des Neuroblastoms

Zwischen 2007 und 2016 wurden in Österreich 2.004 Malignome bei Kindern zwischen 0 und 14 Jahren diagnostiziert. Etwa 6% davon fielen auf Neuroblastome und Tumore der peripheren Nerven. Damit stellt das Neuroblastom den vierthäufigsten Tumor bei Kindern dieser Altersgruppe dar. Etwas weniger als die Hälfte aller Patienten erkranken innerhalb des ersten Lebensjahres, 90% der Betroffenen sind jünger als 6 Jahre. Von allen malignen invasiven Fällen lag die 5-Jahres-Überlebensrate bei fast 80%.

Entstehung und Symptomatik des Neuroblastoms

Das sympathische Nervensystem steuert viele unwillkürliche Funktionen des Körpers, wie etwa das Herz-Kreislauf-System, die Lungenfunktion, Darmtätigkeit und auch Blasenfunktion. Neuroblastome können überall vorkommen, wo sich sympathisches Gewebe befindet. Am häufigsten sind sie in den Nebennieren und in den Nervenzellgeflechten neben der Wirbelsäule (Grenzstrang) im Bereich des Halses, der Brust und des Bauches zu finden. Je nachdem von wo der Tumor ausgeht, welche Gewebe er infiltriert hat und ob bzw. wo sich Metastasen gebildet haben, können die Symptome stark variieren. Anzeichen für Tumore im Halsbereich sind vor allem das sogenannte Horner-Syndrom, für solche im Brustbereich etwa Luftnot, für abdominelle Tumore Behinderungen des Harnflusses und für Tumore des Grenzstrangs neurologische Symptome bis hin zur Querschnittslähmung. In fortgeschrittenen Stadien können außerdem Allgemeinsymptome wie Fieber, Gewichtsverlust und Müdigkeit hinzukommen. Charakteristisch für ein metastasiertes Neuroblastom sind außerdem kleine Blutungen rund um die Augen (periorbitale Ekchymosen bzw. Brillenhämatom).

Die genaue Ätiologie des Neuroblastoms ist, wie bei vielen anderen Krebsarten, meist unklar. Möglicherwiese führen zufällige Chromosomenveränderungen oder Mutationen zur Fehlentwicklung dieser Zellen. In nur 1-2% der Fälle kann die Entstehung auf erbliche Faktoren zurückzuführen sein. Außerdem werden auch exogene Faktoren während der Schwangerschaft, wie etwa Medikamenteneinnahme und Alkohol- oder Nikotinabusus, diskutiert, wobei diese bisher nicht gesichert sind. Bei fast der Hälfte aller Patienten hat der Tumor bei der Diagnosestellung bereits in entfernte Gewebe metastasiert (bevorzugt in Lymphknoten, Knochenmark und Knochen, Leber, Haut, ZNS und Lunge). Das Besondere an Neuroblastomen ist jedoch, dass sie in manchen Fällen die Fähigkeit zu einer spontanen Remission besitzen. Sie gelten als die Tumoren mit der höchsten Spontanremissionsrate.

Diagnostik des Neuroblastoms

Viele Neuroblastome werden zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen diagnostiziert, die ursprünglich aus anderen Anlässen durchgeführt wurden. Bei Verdacht auf ein Neuroblastom können zuerst Laboruntersuchungen weitere Hinweise geben. Als Tumormarker, welche bei den meisten Patienten mit diesen Tumoren erhöht sind, werden Katecholaminmetabolite und die neuronspezifische Enolase (NSE) verwendet. Außerdem können LDH und Ferritin unspezifisch erhöht sein. Weiters kommen bildgebende Verfahren (vor allem Ultraschall und MRT/CT) zum Einsatz, um die Lage und Größe des Tumors bestimmen zu können. Zum Ausschluss bzw. Nachweis von Metastasen wird eine mIBG-Szintigraphie durchgeführt. Da mit dieser Methode jedoch ein Befall des Knochenmarks nicht feststellbar ist, ist eine Knochenmarkspunktion notwendig. Zur endgültigen Diagnosesicherung muss jedoch eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden, was normalerweise gleichzeitig mit einer Operation erfolgen kann. Das entnommene Material wird molekulargenetisch auf verschiedene Veränderungen (MYCN-Amplifikationen und Veränderungen des Chromosoms 1p) untersucht, welche für die Prognoseabschätzung und die Therapiekonzipierung eine wichtige Rolle spielen.

Therapie des Neuroblastoms

Die Therapie des Neuroblastoms zielt in den allermeisten Fällen auf eine Heilung ab, wobei das Behandlungsspektrum von einer reinen Beobachtung des Tumors bis zu einer Maximaltherapie reichen kann. Eine Stratifizierung erfolgt anhand bestimmter Prognose- und Risikofaktoren (z.B. Alter des Patienten, Stadium des Tumors, molekulare Marker). Bei sogenannten Low-Risk-Patienten (v.a. Säuglinge im 4S-Stadium) kann sich der Tumor gelegentlich spontan oder nach einer initialen niedrig dosierten Chemotherapie selbst zurückbilden. Die Betroffenen werden anschließend engmaschig kontrolliert, es bedarf jedoch oft keiner weiteren Handlungen. Bei Patienten mit mittlerem bis hohem Risiko wird nach kompletter oder teilweiser Entfernung des Tumors eine Chemotherapie durchgeführt. Falls im Anschluss an diese noch ein Resttumor zu finden ist, kann eine Bestrahlung bzw. bei fortgeschritteneren Tumoren eine mIBG-Therapie erfolgen. Patienten dieser Risikogruppen erhalten anschließend noch eine Behandlung mit Retinsäure, um eventuell noch verbliebene Tumorzellen zu vernichten.

In den vergangenen Jahren konnten große Fortschritte im Bereich der Forschung erzielt werden. Es werden einige neue zielgerichtete Methoden bei der Behandlung des Neuroblastoms verfolgt, welche die Prognose und Therapie verbessern sollen. Antikörpertherapien und auch sogenannte Tyrosinkinase-Inhibitoren konnten vor allem bei fortgeschrittenen oder rezidivierten Tumoren bereits gute Ergebnisse liefern. Überdies werden neben der Immuntherapie und Vakzinierungsstrategien auch solche Ansätze verfolgt, die in die Angiogenese und Apoptose des Tumors eingreifen sollen.

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