Neuroblastome

Allgemeines über das Neuroblastom

Neuroblastome sind maligne Neubildungen, die aus entarteten, noch unreifen Zellen des sympathischen Nervensystems entstehen. Da sie zu der Gruppe der embryonalen Tumoren gehören, treten sie meist im frühen Kindesalter auf. Das Neuroblastom ist eine der heterogensten Krebserkrankungen bei Kindern mit einem breiten Spektrum an klinischen Verläufen. Diese können von einer spontanen Remission ohne Intervention bis hin zur unkontrollierten Progression trotz maximaler Therapie reichen. Das Neuroblastom stellt daher sowohl für Ärzte als auch für Wissenschafter eine große Herausforderung dar.

Epidemiologie des Neuroblastoms

Zwischen 2002 und 2012 wurden in Österreich 2.033 Malignome bei Kindern zwischen 0 und 14 Jahren diagnostiziert. Etwa 8% davon fielen auf Neuroblastome und Tumore der peripheren Nerven. Damit stellt das Neuroblastom den vierthäufigsten Tumor bei Kindern dieser Altersgruppe dar. Etwas weniger als die Hälfte aller Patienten erkranken innerhalb des ersten Lebensjahres, 90% der Betroffenen sind jünger als 6 Jahre. Für alle Patienten lag die 5-Jahres-Überlebensrate bei fast 80%.

Entstehung und Symptomatik des Neuroblastoms

Das sympathische Nervensystem steuert viele unwillkürliche Funktionen des Körpers, wie etwa das Herz-Kreislauf-System, die Lungenfunktion, Darmtätigkeit und auch Blasenfunktion. Neuroblastome können überall vorkommen, wo sich sympathisches Gewebe befindet. Am häufigsten sind sie in den Nebennieren und in den Nervengeflechten neben der Wirbelsäule (Grenzstrang) im Bereich des Halses, der Brust und des Bauches zu finden. Symptome können je nach Lage des Tumors und etwaiger Metastasen stark variieren. Ein Anzeichen für Tumore im Halsbereich kann vor allem das sogenannte Horner-Syndrom sein, also eine Pupillenverengung mit einem herabhängenden Oberlid und einem leicht in die Augenhöhle eingesunkenen Augapfel. Ein Symptom für Tumoren im Brustbereich kann zum Beispitel Atemnot sein, für abdominelle Tumoren können es Behinderungen des Harnflusses und für Tumoren des Grenzstrangs neurologische Symptome bis hin zur Querschnittslähmung sein. In fortgeschrittenen Stadien können außerdem Allgemeinsymptome wie Fieber, Gewichtsverlust und Müdigkeit hinzukommen. Charakteristisch für ein metastasiertes Neuroblastom sind außerdem kleine Blutungen rund um die Augen (periorbitale Ekchymosen bzw. Brillenhämatom).

Die genaue Ätiologie des Neuroblastoms ist, wie bei vielen anderen Krebsarten, meist unklar. Möglicherwiese führen zufällige Chromosomenveränderungen oder Mutationen zur Fehlentwicklung dieser Zellen. In nur 1-2% der Fälle kann die Entstehung auf erbliche Faktoren zurückzuführen sein. Außerdem werden auch exogene Faktoren während der Schwangerschaft, wie etwa Medikamenteneinnahme und Alkohol- oder Nikotinabusus, diskutiert, wobei diese bisher nicht gesichert sind. Bei fast der Hälfte aller Patienten hat der Tumor bei der Diagnosestellung bereits in entfernte Gewebe metastasiert (bevorzugt in Lymphknoten, Knochenmark und Knochen, Leber, Haut, ZNS und Lunge). Das Besondere an Neuroblastomen ist jedoch, dass sie in manchen Fällen die Fähigkeit zu einer spontanen Remission besitzen. Sie gelten als die Tumoren mit der höchsten Spontanremissionsrate.

Diagnostik des Neuroblastoms

Viele Neuroblastome werden zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen diagnostiziert. Bei Verdacht auf ein Neuroblastom können zuerst Laboruntersuchungen weitere Hinweise geben. Als Tumormarker, welche bei den meisten Patienten mit diesen Tumoren erhöht sind, werden Katecholaminmetabolite und die neuronspezifische Enolase (NSE) verwendet. Außerdem können LDH und Ferritin unspezifisch erhöht sein. Weiters kommen bildgebende Verfahren (vor allem Ultraschall und MRT/CT) zum Einsatz, um die Lage und Größe des Tumors bestimmen zu können. Zum Ausschluss beziehungsweise Nachweis von Metastasen wird eine Meta-Iodbenzylguanid (mIBG)-Szintigraphie, eine Knochenmarksbiopsie oder auch ein MRT des Zentralnervensystems durchgeführt. Zur endgültigen Diagnosesicherung muss jedoch eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden, was normalerweise gleichzeitig mit einer Operation erfolgen kann. Das entnommene Material wird molekulargenetisch auf verschiedene Veränderungen (z. B. MYCN-Amplifikationen und Veränderungen des Chromosoms 1p) untersucht, welche für die Prognoseabschätzung und die Therapiekonzipierung eine wichtige Rolle spielen.

Therapie des Neuroblastoms

Das Behandlungsspektrum des Neuroblastoms reicht von einer reinen Beobachtung des Tumors bis zu einer Maximaltherapie. Eine Stratifizierung erfolgt anhand bestimmter Prognose- und Risikofaktoren (z.B. Alter des Patienten, Stadium des Tumors, molekulare Marker). Bei sogenannten Low-Risk-Patienten kann sich der Tumor gelegentlich spontan oder nach einer initialen niedrig dosierten Chemotherapie selbst zurückbilden. Die Betroffenen werden anschließend engmaschig kontrolliert, es bedarf jedoch oft keiner weiteren Handlungen. Bei Patienten mit mittlerem bis höherem Risiko wird nach kompletter oder teilweiser Entfernung des Tumors eine Chemotherapie durchgeführt. Falls im Anschluss an diese noch ein Resttumor zu finden ist, kann eine Bestrahlung bzw. bei fortgeschritteneren Tumoren eine mIBG-Therapie, eine autologe Stammzelltransplantation oder eine Behandlung mit Retinsäure erfolgen. Patienten dieser Risikogruppen erhalten anschließend noch eine Behandlung mit Retinsäure, um eventuell noch verbliebene Tumorzellen zu vernichten.

In den vergangenen Jahren konnten große Fortschritte im Bereich der Forschung erzielt werden. Es werden einige neue zielgerichtete Methoden bei der Behandlung des Neuroblastoms verfolgt, welche die Prognose und die Therapie verbessern sollen. Antikörpertherapien und auch sogenannte Tyrosinkinase-Inhibitoren konnten vor allem bei fortgeschrittenen oder rezidivierten Tumoren bereits gute Ergebnisse liefern. Überdies werden Immuntherapeutika und Vakzinierungsstrategien getestet.

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